Kritiken

Erst Totentanz, dann Lebens-Hymnus

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Das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg musizierte unter der Leitung von Ulrich Manfred Metzger. Foto: Nadine Weigel

Das Programm des Semesterabschlusskonzertes im Audimax forderte einige Mitglieder des Studenten-Sinfonie-Orchesters Marburg (SSO) auch solistisch heraus. Alle wurden den hohen Ansprüchen glänzend gerecht.

 

 

von Michael Arndt

 

Marburg. Den Auftakt machte am Dienstag im Audimax die populärste Tondichtung des französischen Spätromantikers Camille Saint-Saëns: »Danse macabre« (1874). Der Protagonist dieses Totentanzes im morbiden Walzertakt spielt Violine in Gestalt von SSO-Konzertmeister Simon Schwarz, der auf seinem

Instrument – mit von E nach Es heruntergestimmter vierter Saite – infernalische Klangwirkungen erzeugte. Und Dirigent Ulrich Manfred Metzger verdeutlichte nicht nur, welch ein feinsinniger Instrumentator im Vorgriff auf den sogenannten Impressionismus Saint-Saëns war. Er sorgte mit dem Orchester auch für mitreißend dramatische Effekte, etwa wenn auf dem ekstatischen Höhepunkt des gerade mal acht Minuten dauernden Werkes das Höllenspektakel mit dem Hahnenschrei der von David Keseberg gespielten Oboe abbricht, dem der teuflische Spielmann nur noch einen verklingenden Klagegesang folgen lässt.

In verkleinerter Besetzung, dafür mit Unterstützung des Klaviers, assistierte das SSO anschließend hingebungsvoll der Oboistin Nanako Kondo in dem so kurzen wie kurzweiligen Konzert, das der 1890 geborene tschechische Komponist Bohuslav Martinu vier Jahre vor seinem Tod (1959) im französischen Exil geschrieben hat – ein Werk, das dem Neoklassizismus des Russen Igor Strawinsky nahesteht.

Bravo-Rufe für Oboistin des Frankfurter Opernorchesters

 

Kondo, die 1. Solo-Oboistin des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters, spielte ihren Part mit durchweg schönem, weichen und abstufungsreichen

Ton – sogleich in der unbeschwerten Dur-Melodie des Kopfsatzes, aber auch in dem nachdenklich rezitierten Mittelsatz. Im rasch dahineilenden Finale bewies Kondo, zumal in den beiden Solo-Kadenzen, dass sie auch eine bravouröse

Virtuosin ist, was ihr Bravo- Rufe und langanhaltenden, kräftigen Applaus einbrachte. Dafür bedankte sie sich mit einer schlichten Liedmelodie aus

ihrer japanischen Heimat. Hauptwerk des Abends war die 1. Sinfonie von Johannes

Brahms. Anderthalb Jahrzehnte lang hat er an ihr gearbeitet, bis er sie endlich 1876 zur Uraufführung brachte – es fiel ihm eben nicht leicht aus dem übermächtigen Schatten des Sinfonikers Ludwig van Beethoven herauszutreten. Aber wie er das dann tat, das überwältigt bei jedem Hören. So auch bei der Wiedergabe der c-Moll-Sinfonie durch das SSO. Metzger setzte gleich in

der Einleitung, die den motivischen Keim des Kopfsatzes in sich trägt, auf ein vorwärtsdrängendes Tempo, das er auch in dem konflikthaft zugespitzten,

schließlich resignativ verklingenden Hauptteil beibehielt. Im liedhaften Andante-sostenuto- Satz ließ Metzger die Streicher expressiv strömen, bevor David Keseberg mit einer poesievollen Oboen-Melodie in den Mittelteil überleitete, wo er auch weiter die Hauptrolle spielte. Im romantischen Abgesang der Coda meldete sich dann wieder Konzertmeister Simon Schwarz mit eindringlich-süßem Geigenton

zu Wort. Im folgenden graziösen Allegretto überzeugten auch die übrigen SSO-Holzbläser, angeführt durch die Klarinette, mit Klangschönheit.

 

Opulente Zugabe: Musik aus »Der Herr der Ringe«

 

Einzigartig nicht nur im Schaffen von Brahms ist das monumentale Finale. Die breit angelegte Introduktion gipfelt in einer von den Musikern des SSO

mit Wärme musizierten Hornmelodie, der ein feierlicher Choral in den Posaunen antwortet. Erst dann bricht sich das Gänsehaut-Hauptthema Bahn, ein Hymnus auf das Leben, den die Streicher, dann die Holzbläser wundervoll dahinströmen ließen. Auf den effektvoll inszenierten Schluss der Brahms-Sinfonie antworteten die 700 Zuhörer im Audimax mit enthusiastischem Beifall. Und erhielten

eine opulente Zugabe: eine fast 15 Minuten dauernde Suite aus der Filmmusik zu »Der Herr der Ringe«, wo Konzertmeister Simon Schwarz ein drittes Mal solistisch

gefordert war, aber auch zwei seiner Geigen-Kolleginnen. Diese glänzten mit zarten, aber tragfähigen Stimmen als Gesangssolistinnen.

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Das SSO wiederholt sein Semesterabschluss-

konzert am Samstag ab 18 Uhr im Audimax.

Beflügelt von einem Meistercellisten

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Sergej Bolkhovets leitete als Gastdirigent das StudentenSinfonieOrchester

Nicht nur der Solist Norbert Anger, auch Gastdirigent Sergej Bolkhovets ließen am Dienstagabend im Audimax vor etwa 700 Zuhörern die Musiker des StudentenSinfonieOrchesters

Marburg (SSO) über sich hinauswachsen.

 

Marburg. Im zehnten Jahr als Chefdirigent stand Ulrich Manfred Metzger erstmals nicht am Pult des SSO aus Zeitgründen. Denn er studiert derzeit mit dem neu gegründeten Hessischen Konzert- und Festspielchor das VerdiRequiem für die Bad Hersfelder Festspiele ein. Ihn vertrat beim Semesterabschlusskonzert Sergej Bolkhovets, der mit dem SSO vor fünf Jahren beim Neujahrskonzert als Solist Mozarts ADurViolinkonzert gespielt hatte. Der gebürtige St. Petersburger, der in Stockholm aufwuchs und dort als Konzertmeister der Königlichen Oper wirkt, ist ein ganz anderer Typ Dirigent als Metzger. Spiegelt sich bei diesem der Emotionsgehalt der Musik auch in seiner Gestik wider, so wirkt Bolkhovets auch dann noch als ruhender Pol, wenn die Orchesterwogen hochgehen wie in den dramatischen Zuspitzungen der ansonsten von statischer Ruhe geprägten sinfonischen Dichtung »Die Toteninsel«, zu der sich der geniale russische Spätromantiker Sergej Rachmaninow von Arnold Böcklins gleichnamigen Gemälde inspirieren ließ.

 

Bereits in diesem vorwiegend in dunklen Farben gemalten Tongemälde wuchs das SSO über sich hinaus. Mehr noch aber im aMoll-Violoncellokonzert von Robert Schumann, was auch an der Inspiration durch den Solisten Norbert Anger lag. Der Stimmführer der taatskapelle Dresden und Solocellist des Bayreuther Festspielorchesters gehört auch als Solist zu den herausragenden Interpreten seines Faches, wie er den etwa 700 Zuhörern im Audimax mit atemberaubender Intensität vor Ohren führte. Ganz nach innen gekehrt ließ er sein Violoncello mit samtigsonorem

Ton singen. Und diese bis ins kleinste Detail ausgefeilte kammermusikalische Diskretion setzte sich fort im Dialog mit den Musikern des SSO. Eine Schumann-Sternstunde, wie sie Musikfreunde nicht alle Tage erleben. Sympathisch war auch Angers Geste, den ihm zugedachten Blumenstrauß an die Solocellistin des SSO Valeria Hänsel zu überreichen, die ihm im wundervollen Mittelsatz die ideale Duett-Partnerin war. Für den nicht enden wollenden Applaus

bedankte sich Anger mit einer Bach-Sarabande. Dirigent tritt als Captain Jack Sparrows auf Nach der Pause musizierten die fast 80 Musiker des SSO nicht mehr in der üblichen »amerikanischen« Aufstellung, sondern in der »deutschen«, die bis Anfang des 20. Jahrhunderts üblich war und heute noch von WeltklasseOrchestern wie den Bamberger Symphonikern bevorzugt wird. Das heißt, die an diesem Abend sechs (!) Kontrabässe stehen links hinter den Ersten Violinen, denen die Zweiten Geigen gegenübersitzen, dazwischen die Violoncelli und Bratschen. Das gibt dem Gesamtklang ein voluminöseres Fundament ideal also für die Wiedergabe eines romantischen Meisterwerks wie der fünften Sinfonie von Peter Tschaikowsky. Diese stand übrigens auch Anfang 2007 auf dem Programm bei Metzgers SSO-Einstand. Bolkhovets orientierte sich mit durchweg zügigen Tempi an den nach wie vor Maßstäbe setzenden Tschaikowsky Interpretationen des legendären Leningrader Philharmoniker Chefdirigenten Jewgenij Mrawinskij. Gewissermaßen mit dem Feinzeichner ließ Bolkhovets das auch solistisch glänzende SSO (Holzbläser und Hörner!) das musikalische Selbstporträt einer hypersensiblen Künstlerseele zeichnen. Dem Affen Zucker geben - auch

dazu zeigte sich Bolkhovets bereit und trat in der traditionellen Filmmusik-Zugabe als Captain Jack Sparrows (»Fluch der Karibik«) auf. Das SSO wiederholt sein Konzert morgen ab 17 Uhr im Audimax Ende gegen 19.30 Uhr. Es besteht also noch genügend Zeit bis zum Anpfiff des Europameisterschafts-Viertelfinales Deutschland gegen Italien.

Bravo-Rufe für das »Elefantenkonzert«

Oberhessische Presse, 02.07.2015, www.op-marburg.de

 

Wieder einmal wagte sich das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg (SSO) im nahezu

ausverkauften Audimax an ein außerordentlich anspruchsvolles Programm. Und bestand

die Herausforderung mit Bravour.

 

 

Das SSO und der Pianist Georgy Gromov musizierten unter der Leitung von Ulrich

Manfred Metzger. Gleich der Beginn des Semesterabschlusskonzertes verlangt ein Maximum an

klanglichem Differenzierungsvermögen und enthält schwierige Solo-Partien.

Claude Debussy ließ sich für sein erstes Orchester-Meisterwerk »Prélude à l‘après-midi d‘un

faune« von einem Gedicht des Symbolisten Stéphane Mallarmé inspirieren, der wiederum seine

Eindrücke eines Barock-Bildes von François Boucher, dem Günstling der Marquise de

Pompadour, wiedergibt. Das zehnminütige »Vorspiel zum Nachmittag eines Fauns« schildert mit höchstem Raffinement der Instrumentation Liebesglut und wohliges Ausruhen nach erfüllter Begierde und macht die sengende Mittagsglut einer mediterranen Landschaft mit ihren Licht- und Farbveränderungen fast körperlich fühlbar. Mit seinem Flötenspiel versucht der Faun, Nymphen zu verführen. Ulrike Bengsch musizierte das ohrwurmartige Thema mit weichem Ton,

unterstützt von David Kesebergs geschmeidigem Oboen-Spiel, dem samtigen Horn-Klang, den

Alexander Mänz beisteuerte, und den dezenten Arpeggien, die Daniela Reimann der Harfe

entlockte. An der Spitze der seidig intonierenden Streicher steht nach langer Zeit wieder ein Mann:

Konzertmeister Simon Schwarz ließ mit seinem fein ziselierten, wie aus weiter Ferne

kommenden Solo aufhorchen. Spätestens an dieser Stelle muss die Rede sein vom Dirigenten Ulrich Manfred Metzger, der mit seiner umsichtig-eindringlichen Stabführung für diese wunschlos glücklich machende Wiedergabe sorgte, wobei er sich während der Proben von Elisa Friedrich als Streicher-Dozentin und Christoph Aßmann als Blechbläser-Dozent unterstützen ließ.

Kaum zu glauben, aber wahr: Unter Metzgers Leitung vermochte sich das SSO noch zu steigern –

als ebenbürtiger Partner des russischen Pianisten Georgy Gromov. Der 35-Jährige hat alle vier

Klavierkonzerte seines Landsmannes Sergei Rachmaninow im Repertoire. Als das schwierigste gilt das dritte – scherzhaft »Elefantenkonzert« genannt. Dieser Beiname passt

allerdings überhaupt nicht zu dem dezent-diskreten Beginn des d-Moll-Konzertes, zu dem es in

der gesamten Literatur nur ein Pendant gibt: den Anfang von Beethovens viertem Klavierkonzert

in G-Dur. Doch täuscht dieser lyrische und im Kern völlig unvirtuose Klavier-Monolog. Was folgt ist ein Parforceritt, den Rachmaninow, selbst ein Tasten-Titan, dem Pianisten zumutet. Aber Gromov

meisterte die extremen Anforderungen an seine Geläufigkeit und Akkordtechnik mit nie

nachlassender Energie, tauchte darüber hinaus tief ein in die Welt der leisen Zwischentöne.

Als der von Gromov und dem SSO geradezu fieberhaft auf seinen furiosen Schlusspunkt

zugetriebene Finalsatz verklungen war, überschütteten die mehr als 800 Zuhörer alle

Mitwirkenden mit Beifall und Bravo-Rufen.

Nach so viel spätromantischer Emphase fiel es dem SSO nicht ganz leicht, sich voll und ganz

einzulassen auf den herben und strengen Tonfall, den Felix Mendelssohn Bartholdy in seiner

fünften, der sogenannten Reformations-Sinfonie anschlägt.

Dennoch: Trotz einiger Patzer hier und da, die sicher auch dem einstündigen Höchsteinsatz vor

der Pause zu schulden waren, beeindruckte das Orchester wieder mit seinem nuancenreichen

Musizieren, wozu auch die bei aller Strahlkraft doch stets kultivierten Blechbläser beitrugen.

In der traditionellen Filmmusik-Zugabe befehligte Metzger, als »Gladiator« verkleidet, mit dem

Schwert seine Frauen und Mannen – zu den Klängen von Hans Zimmer und Lisa Gerrard. Die

schafften es jedoch nicht, den Schluss von Mendelssohns Fünfter aus den Ohren der Zuhörer zu

vertreiben, basiert dieser doch auf dem Choral-Ohrwurm »Ein‘ feste Burg ist unser Gott«.

 

Feurige Lust am turbulenten Treiben

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Foto: Michael Hoffsteter

Oberhessische Presse, 02.07.2015, www.op-marburg.de

 

Feurige Lust am turbulenten Treiben

Studenten-Sinfonieorchester in Bestform begeistert das Publikum mit einem anspruchsvollen Program

von Michael Arndt

 

 

Beim Abschied vom Sommersemester setzt das Studenten-Sinfonieorchester Marburg (SSO) nicht auf Populäres. Dennoch waren die Zuhörerreihen im Audimax am Dienstag nahezu voll besetzt. Im ersten Teil seines Semesterabschlusskonzertes bietet das SSO seinem Publikum

zwei Marburger Premieren. Gleich mit dem Auftakt entfachte

es am Dienstagabend einen Begeisterungssturm. Denn die gehobene sinfonische Unterhaltungsmusik liegt dem SSO besonders gut – die traditionellen Filmmusik-Zugaben am Ende eines jeden Konzertes beweisen es. Und so sind die jungen Musiker auch Feuer und Flamme für

die Musik von Leonard Bernstein, der nicht nur als Dirigent, sondern auch als ebenso bedeutender Komponist nie einen Unterschied zwischen E- und U-Musik gelten ließ. Unsterblich geworden ist er allein schon durch sein Musical »West Side Story«. Ebenso meisterhaft komponiert hat er auch »Candide«, ein auf Voltaire fußendes Bühnenwerk, das Musical, Operette, komische und große Oper zugleich ist.

 

Ulrich Manfred Metzger peitschte sein Orchester mit feuriger Gestik durch die mitreißenden Konfliktrhythmen der »Candide«-Ouvertüre, ohne es aus dem Gleis zu bringen, widmete sich auch mit Hingabe den Inseln melodischer Glückseligkeit. Die Lust am turbulenten Treiben setzte sich fort in jenem einsätzigen Klavierkonzert, das der 21-jährige Richard Strauss, Schöpfer großformatiger Tondichtungen und Opern, nicht ohne Grund »Burleske« genannt hat. Denn wie das ebenso bezeichnete Theaterstück mit seiner grotesken bis zotigen Komik greift auch Strauss zum Mittel der Überzeichnung, womit er Pauken, Klavier und Orchester in einen Dialog treten lässt, der zeitweise Wettkampf-Charakter annimmt.

Johannes Brahms mit seinem vollgriffigen Klaviersatz und Franz Liszt mit seiner brillanten Spieltechnik spiegeln sich im ziemlich wild gestalteten Solopart wider – ein Paradestück also zur Demonstration pianistischen Draufgängertums. Andreas Hering, der als Philippinum- Schüler vor Jahren unter der Leitung von Burchard Schäfer im SSO Violoncello gespielt hatte, erwies sich nicht nur als energisch und kraftvoll zupackender

Tastenvirtuose.

Pianist lässt die Töne perlen – wie bei Mozart

Der 32-Jährige sorgte mit klangschön gestalteten Kantilenen auch für beseelte Momente der Ruhe und ließ mit äußerster

Zartheit in der bezaubernden Walzer-Passage kurz vor dem Schluss des 20-minütigen Werkes die Töne perlen – fast wie bei Mozart, einem weiteren Vorbild von Strauss.

 

Nach der Pause wagte sich das SSO an einen 60-minütigen sinfonischen Koloss, den erst Anfang des Jahres der Marburger Konzertverein am selben Ort seinem Publikum geboten hatte. Wer die modellhafte Interpretation von Anton Bruckners sechster Sinfonie durch das Wuppertaler Sinfonieorchester erlebt hat und jetzt das SSO hört, kann nur sagen: Hochachtung. Zwar lassen sich ein Berufs-und ein Laienorchester generell nicht miteinander vergleichen. Aber gerade die Wiedergabe von Bruckners Sechster zeigte, wie nah an Profi-Niveau das SSO derzeit heranreicht – was auch Metzgers penibler Probenarbeit und umsichtiger Leitung während der Aufführung zu verdanken ist. Die strahlend-kraftvollen Blechbläser sind beim SSO ja immer eine »sichere Bank«. Aber auch die Holzbläser überzeug

überzeugten mit kultiviertem und sprechendem Spiel. Aufhorchen ließen immer wieder die samtweichen Hörner – im Quartett, aber auch solistisch. Und die Streicher fühlten sich nicht nur zu Hause in fein abgestuften Piano- Regionen, sondern sorgten auch für klangliche Opulenz.

 

Als der letzte Ton verklungen war, ließen die knapp 800 Zuhörer den Applaus geradezu explodieren, wofür sich Metzger und das SSO nach dem Motto »gerührt und nicht geschüttelt« mit einem ebenso explosiv musizierten Medley aus »James-Bond«-Filmen revanchierten

Seitenbühne trübt den Genuss

Oberhessische Presse, 14.07.2013, www.op-marburg.de
 
Ein Abend unter Sternenhimmel im Glanz der italienischen Oper versprach das Gala-Programm des Studentensinfonieorchesters (SSO) am Freitagabend. Doch leider wurde der Klassikgenuss immer wieder gestört.

von Mareike Bader
 
Marburg. Die laute Musik von der Seitenbühne im Schlosspark ist jedes Jahr ein Ärgernis während des traditionellen Klassik-Open-Airs.


Seit dem letzten Auftritt des SSO dort vor zwei Jahren hatte Dirigent Ulrich Manfred Metzger vergeblich versucht, bessere Bedingungen zu schaffen und den Veranstalter dazu zu bewegen, die Seitenbühne während des Klassikkonzertes ruhen zu lassen. Als letzte Maßnahme versuchte Metzger zehn Minuten vor Konzertbeginn die Techniker an der Seitenbühne zu bitten, die Musik leiser zu drehen. Alles ohne Erfolg.


Dabei begann alles so schön. Mit der Ouvertüre aus Rossinis »Cemerentola« eröffnete das SSO das Konzert und sorgte mit verspielten und bewegten Motiven für die ersten italienischen Momente. Katrina Krumpane, die bereits beim Neujahrskonzert des SSO begeisterte, ließ mit ihrer tollen Stimme auch auf der Freilichtbühne im Schlosspark richtige Operngefühle aufkommen. Als männlichen Solisten hatte das SSO den Marburger Tenor Hubert Schmid verpflichtet, der seit 2003 Mitglied der »Jungen Tenöre« ist. Beide sangen verschiedene Arien aus bekannten Opern wie Verdis »La Traviata«. Es waren vor allem die ruhigeren Passagen, die vom Lärm der Seitenbühne empfindlich gestört wurden. Beim vierten Satz aus Tschaikowskys vierter Sinfonie durchbrachen der kräftige Bass und die lauten Rufe der Seitenbühne das feine Spiel der Geigen. Bereits vorher störte die laute Musik spürbar die Musiker. »Wir standen zeitweise kurz davor, das Konzert abzubrechen«, so die erste Vorsitzende des SSO, Luise Rost.


Die Leistung, die die Laienmusiker unter diesen Umständen ablieferten, kann ihnen kaum hoch genug angerechnet werden. Denn, auch wenn es ein schönes Konzert war, die etwa 70 Musiker wären eigentlich in der Lage gewesen, noch besser zu spielen.


Die Beeinträchtigung war den Musikern teilweise deutlich anzusehen. Nach dem »Ungarischen Tanz Nr. 5« von Brahms ließ sich Dirigent Ulrich Manfred Metzger einen Kommentar auf seine Weise nicht nehmen. Bevor er das Zeichen für die Arie »E lucevan le stelle« aus Puccinis Oper »La Bohème« gab, hielt er noch einmal inne, legte eine Hand ans linke Ohr, hörte sich den Lärm der Seitenbühne an und schüttelte sich anschließend.


Aber nicht nur die fremde Musik störte die Konzentration der Musiker. Auch Moderator Christopher Din sorgte immer wieder mehr oder weniger unfreiwillig für einen Bruch des geplanten Abends.


Für seine fehlerhafte, teils wirre Moderationen erntete er immer wieder Gelächter aus dem Publikum, das sich steigerte - wie bei der falschen Aussprache von Bizets Bühnenmusik »L’Arlesienne« zu »El Arlesienne«. Den berühmten Radetzky-Marsch von Johann Stauß (Vater), kündigte er mit den Worten an: »Einige kennen ihn vielleicht aus der Fernsehwerbung«.


Der Höhepunkt war das mitreißende Feuerwerk am Ende des Konzertes zum Präludium des »Te Deum in D-Dur« von Marc-Antoine Charpentier. Wunderschön waren die Raketen auf die Musik und die wechselnden Abschnitte der Eurovisionsmelodie abgestimmt und sorgten dafür, dass die schönen Momente des Abends dann doch überwiegten.

Virtuose Orchesterkunst und lyrisches Schwelgen

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Oberhessische Presse, 26.06.2013, www.op-marburg.de
 
Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg (SSO) ist auf Filmmusik abonniert: Jedes Konzert endet mit einer Zugabe aus diesem Genre. So auch am Dienstagabend, als der Soundtrack zum Fantasy-Streifen »Chroniken von Narnia« erklang.

von Michael Arndt
 
Marburg. Beim aktuellen Semesterabschlusskonzert des SSO im Audimax wird jedoch nicht nur als Zugabe, sondern auch zu Beginn des offiziellen Programms Filmmusik gespielt. Sie stammt aus dem wunderbaren Walt-Disney-Zeichentrickfilm »Fantasia« von 1940, ist aber bereits 1897 komponiert worden: »Der Zauberlehrling« nach Goethes gleichnamiger Ballade hat den aus dem Elsass stammenden Komponisten Paul Dukas unsterblich gemacht - sein übriges insgesamt schmales Oeuvre wird hauptsächlich in Fachkreisen hochgeschätzt.


»L‘apprenti sorcier« ist ein Geniestreich und ein Meisterwerk virtuoser Orchesterkunst - eine Herausforderung für ein Laienorchester wie das SSO, das diese mit bedingungsloser Hingabe annahm und dabei geradezu über sich hinauswuchs. Am Pult sorgte Ulrich Manfred Metzger für Übersicht im Furioso des entfesselten Orchesterkontrapunkts. Dieser schildert ungemein bildhaft das Chaos, das der vom Zauberlehrling zum Leben erweckte Besen anrichtet. Das war in jeder Hinsicht hinreißend musiziert - und zugleich eine Marburg-Premiere.


Verhaltenere Töne stimmte das SSO im zweiten Hornkonzert von Richard Strauss an. Er hat es gegen Ende seiner achten Lebensdekade komponiert. Und es ist in seiner milden Abgeklärtheit eindeutig ein Alterswerk. Aber gleichzeitig blickt Strauss in dem 1943 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführten Werk auch zurück auf seine Jugendzeit.


Samtig-weicher Ton und berückende Klangpoesie


Das macht den Reiz dieser Komposition aus, in der sich der Meister opulent instrumentierter sinfonischer Dichtungen und Opern geradezu kammermusikalisch diskret gibt. Den Solisten lässt er in weit ausschwingenden Melodien schwelgen, verlangt ihm jedoch auch ein gehöriges Maß an fein ziselierter Virtuosität ab. Joachim Pfannschmidt, stellvertretender Solohornist im Kasseler Staatsorchester, meisterte dies mit samtig-weichem Ton, berückender Klangpoesie und müheloser Technik.


Nach der Pause stand die erste der drei »großen« Sinfonien von Peter Tschaikowsky auf dem Programm. Der Komponist hat die »Vierte« gegenüber seiner Gönnerin Nadeshda von Meck mit für ihn ungewohnter Offenheit analysiert und seine Gefühlswelt, die er in Töne gesetzt hat, offengelegt.


Das hat viele Dirigenten dazu verführt, vorrangig in den Emotionen der f-Moll-Sinfonie zu baden. Metzger hingegen meisterte glänzend die schwierige Gratwanderung zwischen hochdramatischer Emphase und analytischer Klarheit.


Das SSO musizierte an allen Pulten in Hochform. Die fabelhaften Blechbläser und Hörner trumpften kraftvoll mit dem einleitenden und im turbulenten Finalsatz wiederkehrenden Schicksalsthema auf, die Holzbläser sorgten für lyrische Kontraste - hervorzuheben ist das eindringliche Oboensolo zu Beginn des melancholischen zweiten Satzes. Die Streicher »sangen« und meisterten mit bewundernswerter Präzision das »Pizzicato ostinato« des dritten Satzes.


So endete der Jubel der 700 Zuhörer im nicht ganz voll besetzten Audimax erst, als Metzger die eingangs erwähnte Zugabe ankündigte.

Auf schwere Kost folgt ein Klassik-Hit

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Oberhessische Presse, 31.01.2013, www.op-marburg.de
 
Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg (SSO) setzt in seinen klug zusammengestellten Programmen nicht nur auf Populäres, sondern spielt in schöner Regelmäßigkeit Marburger Erstaufführungen.

von Michael Arndt
 
Marburg. Zwei Werke, die bei anderen Marburger Konzertveranstaltern noch nie zu hören waren, bildeten am Dienstag im Audimax die erste Konzerthälfte. Den Anfang machte das SSO unter der Leitung von Ulrich Manfred Metzger mit George Gershwins jazziger »Cuban Overture«. Das 1932 komponierte Werk ist das ideale »Einspielstück«. In den Rahmenteilen dürfen die im Big-Band-Stil eingesetzten Blechbläser so richtig loslegen. Und sie taten es auch - manchmal hart an der akustischen Schmerzgrenze, während sich im Mittelteil die Holzbläser lyrisch einschmeichelten. Lustvoll zur Sache ging auch das groß besetzte, unter anderem authentische kubanische Instrumente einsetzende Schlagwerk.


Für die Marburger Erstaufführung von Dmitri Schostakowitschs erstem Violinkonzert hatte das SSO den bulgarischen Geiger Dimiter Ivanov verpflichtet. Der Konzertmeister des Frankurter Opern- und Museumsorchesters hatte bereits vor zwei Jahren das Marburger Publikum mit Erich Wolfgang Korngolds eingängigem Violinkonzert begeistert. Mit Schostakowitschs viersätzigem a-Moll-Konzert, 1955 vom großen David Oistrach uraufgeführt, widmete sich Ivanov nun einem Werk, das für traditionelle Zuhörer schwere Kost bedeutet. Einmal schon wegen seiner Länge von fast 40 Minuten. Zum anderen, weil in den beiden langsamen Sätzen, die drei Viertel des gesamten Werkes beanspruchen, düstere Schwermut vorherrscht, worin sich die Unterdrückung des Komponisten durch das Stalin-Regime widerspiegelt.


Ivanov brachte die tragisch gefärbte Melodik mit herbem Ton und brennender Intensität zum Klingen, eindringlich unterstützt von dem vorwiegend mit dunklen Farben malenden Orchester.


In den beiden raschen Sätzen traf Ivanov genau den von Schostakowitsch gewollten Ton des verbissenen Insistierens und des sarkastischen Karikierens, erwies sich überdies auch als mitreißender Virtuose.


Nach der Pause spielte das SSO eine der populärsten Sinfonien überhaupt, die allerdings auch in Fachkreisen als »Meilenstein der Musik« zählt - was nicht bei allen Werken, die in der Gunst des breiten Publikums ganz oben stehen, der Fall ist. Aber Antonin Dvoráks 9. Sinfonie »Aus der Neuen Welt« ist trotz oder gerade wegen ihrer Eingängigkeit nicht einfach zu musizieren - gerade für ein Laienorchester nach einem kräftezehrenden Semester und als Abschluss eines mit mehr als 90 Minuten sehr langen Programms. Jedenfalls nahmen die Patzer vor allem bei den Bläsern gegen Ende der Sinfonie deutlich zu, weil wahrscheinlich verständlicherweise die Kondition nachließ.


Dennoch war es wieder ein Vergnügen, hörend zu erleben, mit welcher Leidenschaft und Hingabe sich die jungen Musikerinnen und Musiker ins Zeug legten. Und den seidigen Glanz der hohen Streicher, die sonore Fülle der tiefen und so manches Bläser-Solo hört man auch bei Profi-Orchestern nicht eindringlicher.


Hervorzuheben sind das Horn-Solo am Beginn der Sinfonie, welches nach der schwermütig-langsamen Einleitung das ohrwurmartige Hauptthema vorstellt. Und vor allem der wundervoll musizierte sehnsuchtsvolle Gesang des Englischhorns im langsamen zweiten Satz. Dirigent Ulrich Manfred Metzger, der mit präziser Schlagtechnik, fordernd-eindringlicher Körpersprache und auswendig dirigierend für starke Kontraste in Tempo und Dynamik sorgte, überreichte deshalb am Schluss den ihm zugedachten Blumenstrauß der Englischhorn-Solistin - eine schöne Geste.


Anschließend schlüpfte er ins Kostüm von »Superman« und bedankte sich mit dem SSO bei den 800 Zuhörern für den Beifall und die Bravo-Rufe mit der Filmmusik aus »Superman Returns«.


Am Sonntag wiederholt das SSO sein Konzert im Audimax. Beginn ist bereits um 18 Uhr.

Schwungvoll geht es ins neue Jahr

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Oberhessische Presse, 02.01.2013, www.op-marburg.de
 
Seit Wochen war das Neujahrskonzert des Studentensinfonieorchesters (SSO) in der Stadthalle ausverkauft. Schwungvoll führten die Laienmusiker ihr Publikum ins neue Jahr.


von Mareike Bader
 
Marburg. Es ist schon bemerkenswert was die jungen Musiker mit ihrem Dirigenten Ulrich Manfred Metzger in ihrer Freizeit auf die Beine stellen. Seit 21 Jahren steht das SSO für anspruchsvolle Konzertmusik und diesem Ruf wurde man auch beim Neujahrskonzert wieder einmal gerecht. Mit Walzern, Polkas und anderen Tanzstücken von Komponisten wie Tschaikowsky, Strauß und Gershwin wurde das neue Jahr lebhaft begrüßt.


Zu Gast war die Sopranistin Katrina Krumpane, die herrlich charmant drei Arien zum Besten gab. In der Pause hieß es unter einigen Zuschauern, die Lettin sei die beste Sängerin seit langem beim SSO gewesen. Mit ein bisschen Drama präsentierte sie sich mit einem wunderschönen Abendkleid. Für kurze Zeit entstand richtiges Operetten-Feeling. Bei der »Fledermaus«-Arie »Mein Herr Marquis« ging sie vollkommen in die Rolle der Zofe Adele auf. Scheinbar mühelos schmetterte sie bravourös selbst die höchsten Töne.


Durch den Abend führte Fabian Struttmann, der ein bisschen wie Billy Crystal bei den Oscars humorvoll das Programm kommentierte: Johann Strauß sei wie der André Rieu seiner Zeit gewesen - nur in gut.


Das Programm war perfekt durchdacht. Gespielt wurden wahre Klassiker wie der Walzer aus »Schwanensee«, »An der schönen blauen Donau«, die »Tritsch-Tratsch-Polka« und die Ouvertüre zu »La clemenza di Tito«. Daneben gab es auch unbekanntere Werke wie die Juwelenarie aus der Oper »Faust« von Charles Gounod oder der Walzer aus der »Masquerade«-Suite von Aram Chatschaturjan, die seiner Schauspielmusik entstammt.


Die Auswahl war so wunderschön fröhlich, munter und beschwingt, dass das Publikum nicht stillhalten konnte. Spätestens beim Donauwalzer sah man in der Stadthalle viele Köpfe mitschwingen. Ein schönes Bild, wie Moderator Fabian Struttmann berichtete, der den ganzen Abend auf seinem Sessel auf der Bühne saß. Richtig mitgehen konnte man dann bei der zweiten Zugabe, dem »Radetzsky-Marsch« von Johann Strauß sen., mit dem die Wiener Philharmoniker traditionell ihr Neujahrskonzert beenden. Hier klatschte das Publikum beim berühmten Thema des Marsches freudig im Takt mit.


Zwar ist das SSO ein reines Laienorchester. Mit ihrer Leistung können sich die knapp 75 Musiker aber durchaus mit kleineren Profi-Orchestern messen lassen. Vor allem bei den moderneren Werken von Leonard Bernstein und George Gershwin nahmen sie nochmal richtig Fahrt auf. Die Tondichtung »An American in Paris« komponierte Gershwin 1928 als Auftragswerk für die New Yorker Philharmoniker. Diesen Anspruch hört man dem Stück wahrlich an. Die Musiker des SSO meisterten die schnellen Wechsel grandios und sorgten mit Xylophon und Saxophon für die gewünschte Pariser Straßenstimmung. Das kräftige Finale ging dann nochmal besonders unter die Haut.


Allein die sonst so feurige »Tritsch-Tratsch-Polka« plätscherte etwas vor sich hin und ließ feine, punktierte Akzente vermissen. Auch die Streicher hatten hier und da kleinere Probleme. Bei der Polonaise aus Tschaikowskys »Eugene Onegin« waren die Geigen etwas quietschig, beim »Schwanensee«-Walzer etwas hölzern. Doch der tolle Klang des Orchesters überwog bei diesem Konzerterlebnis bei Weitem.


Das Publikum feierte das SSO mit langem, kräftigen Applaus und viel Jubel. Wenn das Jahr 2013 so freudig und beschwingt wird wie das Neujahrskonzert des SSO, dann braucht keiner Angst vor der angeblichen Unglückszahl 13 zu haben.

Die böse Hexe kichert musikalisch

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Oberhessische Presse, 15.10.2012, www.op-marburg.de
 
Klassische Musik kindgerecht verpackt gab es am Sonntag zweimal in der Stadthalle: Willi Weitzel und das Studenten-Sinfonieorchester präsentierten »Hänsel und Gretel« mit der Musik von Engelbert Humperdinck.
 
von Heike Döhn
 
Marburg. Willi Weitzel ist bei Kindern ein Star, bekannt geworden durch seine Sendung »Willi wills wissen«.Ihm folgen sie bereitwillig auch in das Reich der klassischen Musik - allzu schwer hatte er es dabei aber nicht, denn das Marburger Studenten-Sinfonieorchester (SSO) begleitete ihn kongenial. Elisa Fenner stand ihm als Sängerin (und als Gretel) musikalisch zur Seite.


Humperdincks Oper »Hänsel und Gretel ist wohl die bekannteste Oper für Kinder, Lieder wie »Brüderchen, komm tanz mit mir« sind wahre Gassenhauer geworden. In der Stadthalle gab es am Sonntagnachmittag gleich zwei Vorstellungen, die die schönsten Melodien der Oper mit der Willi-typischen Vortragsweise des Märchens verbanden.


Willi begegnet den Kindern auf Augenhöhe
 
Der aus Stadtallendorf stammende Fernsehstar hatte bereits vor zwei Jahren »Peter und der Wolf« mit dem SSO beim Hessentag in Stadtallendorf aufgeführt. Und auch diesmal zeigte sich, dass die sympathisch-naive Art des Kinder-Reporters und der unkonventionelle und frische Stil des Orchesters unter der Leitung von Ulrich Metzger prima zusammenpassen.


Willi Weitzel erzählte und spielte das bekannte Märchen in der für die Oper etwas veränderten Fassung und schlüpfte zugleich in die Rolle des Hänsel. Dabei kam ihm zugute, was auch seine bisherige Karriere beflügelt hat: Weitzel muss sich offenkundig nicht bemühen, mit den Kindern auf Augenhöhe zu sein. Mit seinem staunenden Blick, seiner unverkrampften Art und seiner trotz seiner 40 Lenze jungenhaften Art wirkt er selbst noch kindlich und nie bemüht.


Entsprechend problemlos hielt er den Spannungsbogen, und auch die gut ausgewählten Musikstücke kamen bei den Kindern bestens an. Elisa Fenner interpretierte Klassiker wie »Ein Männleins steht im Walde« und schlüpfte voll Charme in die Rolle der Gretel - die Hexe hingegen gab keckernd ein Mitglied des SSO, das dafür viel Sonderapplaus bekam.

Kompakt, charmant und musikalisch anspruchsvoll war diese Aufführung eine schöne Möglichkeit, Kinder »hineinschmecken« zu lassen in Musik jenseits der gängigen Kinderlieder. Die Kleinen gingen begeistert mit und hatten ihren Spaß, als Ulrich Metzger am Schluss sogar entfesselt mit dem Hexenbesen dirigierte. Und nach dem Konzert durften die Kinder sogar noch die Instrumente von nahem besehen oder ausprobieren, während Willi seinen kleinen und großen Fans bereitwillig Autogramme gab.

»Liebe mit ihr kann tödlich sein«

Solistin Johanna Krumin und das SSO Marburg im Hintergrund.

Der absolute Höhepunkt in 21 Jahren Konzerttätigkeit des SSO in und für Marburg: Die Oper »Carmen« als Konzert. © Nadine Weigel

Oberhessische Presse, 18.06.2012, www.op-marburg.de
 
Oper gehört auf die Bühne und nicht in den Konzertsaal. Am Samstag im ausverkauften Audimax jedoch vermisste das hellauf begeisterte Publikum die Szene in keiner Sekunde.
 
von Michael Arndt
 
Marburg. Das hat es nach einem Semesterabschlusskonzert des Studenten-Sinfonie-Orchesters Marburg (SSO) noch nie gegeben. Kaum war am Samstag im ausverkauften Audimax der letzte Ton von Georges Bizets Meisterwerk »Carmen« verklungen, erhoben sich die mehr als 800 Zuhörer geschlossen von ihren Sitzen und feierten alle Mitwirkenden zehn Minuten lang mit einem wahren Beifallsorkan.


Völlig zu Recht, denn diese Premiere, der am Sonntag davor die »Generalprobe« in der Berliner Philharmonie vorausgegangen war, markiert den absoluten Höhepunkt in 21 Jahren Konzerttätigkeit des SSO in und für Marburg. Nicht wenige im Publikum, die zuvor noch nie eine Oper auf der Bühne gesehen hatten, dürften durch diese packende konzertante Wiedergabe dazu bewegt worden sein, die herrlichste aller Musikgattungen auch einmal dort zu erleben, wo sie hingehört: im Theater.
 
Kein ordinäres Weib, vor dem gewarnt werden muss
 
Im Audimax allerdings vermissten die Zuhörer die Szene in keiner Sekunde. Was auch ein Verdienst des so humorvoll wie fachkundig durch den Abend führenden Herbert Feuerstein war - mal als Erzähler, der sich nie über Gebühr in den Vordergrund spielte, mal im Dialog mit den im französischen Original singenden Solisten. Bei diesen ragte die Titelheldin heraus. Ulrike Mayer ist eine Carmen, wie sie Bizet bei der Komposition vorgeschwebt hat. Kein ordinäres Weib, vor dem die Männer wie in der Zigarettenwerbung gewarnt werden müssen (Feuerstein: »Die Liebe mit ihr kann tödlich sein«), sondern eine selbstbestimmt und gradlinig ihren Weg gehende junge Frau, für die die Liebe ein widerspenstiger Vogel ist, den nichts zähmen kann, wie sie in der berühmten »Habanera« singt. Zu dieser Sichtweise passte Mayers schlanker und warm timbrierter Mezzosopran ideal, der jedoch auch den dramatischen Furor des finalen Todeskampfes mit Don José mühelos meisterte. Dieser war mit Michael Zabanoff ebenfalls optimal besetzt.
Sein strahlender Tenor überzeugte in den an Wahnsinn grenzenden Eifersuchtsausbrüchen genauso wie in dem lyrischen Liebesbekenntnis der »Blumenarie«, deren von einem hohen B gekrönten Schluss er, anders als viele berühmte Kollegen, nicht »brüllte«, sondern, wie von Bizet gewünscht, im Pianissimo verklingen ließ.
Behutsame szenische Akzente setzte Alban Lenzen als »Stierkämpfer-Superstar« (Feuerstein), der mit sonorem Bassbariton nicht nur im »Torero-Lied« auftrumpfte, sondern auch als samtig singender »Frauenversteher« glänzte.
Besondere Anerkennung bei den durchweg rollengerecht besetzten kleinen Partien verdiente sich der Bariton Peter Dasch, Mitglied der Gruppe »Adoro«, der trotz Erkältung sang und damit die Aufführung rettete.
Schade, dass die Micaela von Johanna Krumin mit gepressten Sopranhöhen verstörte - der einzige Schwachpunkt im Ensemble.
 
Der Berliner Chor »Cantus Domus« bestach mit seinen jungen, schlank und zupackend-frisch singenden Stimmen. Chorleiter Ralf Sochaczewsky dirigierte die ersten beiden Akte, SSO-Chef Ulrich Manfred Metzger die letzten zwei. Beide Dirigenten führten das Laienorchester zu einem Optimum an Klangschönheit und feuriger Intensität. Das hört man auch an so manchem Stadttheater nicht besser.
 
Am ersten Bratschenpult musizierte übrigens Burchard Schäfer. Am kommenden Samstag ab 19 Uhr und Sonntag ab 16 Uhr wird er in der Stadthalle am Pult des SSO stehen, das er 13 Jahre lang bis 2006 geleitet hat: bei den szenischen »Carmen«-Aufführungen des Gymnasiums Philippinum.

In Top-Form bei Elgar und Sibelius

Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg und sein Dirigent Ulrich Manfred Metzger beim Semesterabschlusskonzert des Wintersemesters 2011/2012 im Audimax Marburg vergrößern

Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg begeisterte 800 Zuhörer im Audimax. Am Samstag wiederholt das große Laienorchester das Konzert. © Michael Hoffsteter

Oberhessische Presse, Freitag, 03.02.2012; www.op-marburg.de

 

Der Cellist Akira-Sebastian Olbrich und das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg unter der Leitung von Ulrich Manfred Metzger begeisterten am Dienstag 800 Zuhörer mit mitreißenden Wiedergaben spätromantischer Meisterwerke.

 

von Michael Arndt

 

Marburg. Liebhaber sinfonischer Musik freuen sich in Marburg stets aufs Semesterende. Dann ernten gleich zwei große Laienorchester die Früchte ihrer Arbeit, die auch deshalb besonders munden, weil die Junge Marburger Philharmonie und noch intensiver das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg (SSO) regelmäßig hörenswerte Werke spielen, die in den Programmen etablierter Konzertveranstalter nicht auftauchen. Beim Marburger Konzertverein zum Beispiel wartet man auf Edward Elgars Cellokonzert und die zweite Sinfonie von Jean Sibelius bisher vergebens. Immerhin ist das Elgar-Konzert dort für die kommende Saison geplant.

 

Das SSO musizierte dieses spätromantische Meisterwerk nach der Premiere vor 17 Jahren bereits zum zweiten Mal – und jetzt sogar mit einem Solisten aus den eigenen Reihen. Möglich wurde dies nur dadurch, dass Akira-Sebastian Olbrich sich neben seinem Medizinstudium weiter die Zeit nimmt, Wettbewerbe und Meisterkurse zu besuchen sowie weltweit als Solist und Kammermusiker zu konzertieren.

 

Und der 26-Jährige liebt Elgars Cellokonzert, das an Erfindungskraft und Ausdruckstiefe auf einer Höhe mit dem Leib- und Magenstück eines jeden Cellisten, dem Dvorák-Konzert, steht.

 

Der vorherrschenden melancholischen Stimmung widmete sich Olbrich mit warm singendem Ton, ließ die zahlreichen rezitativischen Passagen eindringlich sprechen und sprang mit federnder Leichtigkeit über die virtuosen Hürden – dies stets im fein aufeinander abgestimmten Dialog mit dem zwar groß besetzten, aber vorwiegend kammermusikalisch eingesetzten Orchester.

 

Das SSO hatte den Abend mit Ludwig van Beethovens hochdramatischer »Coriolan«-Ouvertüre begonnen. Dirigent Ulrich Manfred Metzger betonte die Extreme in Tempo und Dynamik – nachdem Vorbild historisierender Aufführungspraxis, wozu auch die auf unseren Konzertpodien selten gewordene »deutsche« oder »europäische« Orchesteraufstellung passte: mit den Kontrabässen links hinter den ersten Violinen, denen die zweiten Geigen gegenüber sitzen, dazwischen die Celli und Bratschen.

Diese und nicht die weltweit bevorzugte »amerikanische« Aufstellung bewährte sich auch in der D-Dur-Sinfonie von Sibelius, bei deren Wiedergabe sich das SSO unter Metzgers sicher führender und leidenschaftlichen Ausdruck fordernder Leitung abermals in Top-Form zeigte. Das gilt nicht nur für die Streicher, sondern auch für die besonders hervorgehobenen Bläser. In manchen Passagen meinte man, Sibelius habe eine reine Bläsersinfonie komponiert. Und das finnische Nationalkolorit klingt bei ihm nicht selten erstaunlich slawisch, zum Beispiel nach Smetana. Was die Holzbläser des SSO, und dort besonders die erste Oboistin und der erste Fagottist, an Feinschliff und Klangintensität hören ließen, reicht genauso ans Niveau eines Vollzeitorchesters heran wie die zwar druckvoll, aber immer kultiviert musizierenden Blechbläser und Hörner.

 

Anders als die Junge Marburger Philharmonie am Sonntag hatte das SSO für die laut und lang anhaltend jubelnden 800 Zuhörer am Dienstag eine Zugabe einstudiert: die Filmmusik zu »Spiderman«, der am Pult leibhaftig anwesend war.

Erst nach drei Zugaben darf das Orchester von der Bühne - Rund 500 Zuhörer beim Stadtallendorfer Neujahrskonzert

Oberhessische Presse, Mittwoch, 4.Januar 2012; www.op-marburg.de

 

Zum dritten Male hintereinander spielte das Marburger Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) in Stadtallendorf. Jahr für Jahr wächst die Zahl der begeisterten Zuhörer ständig.

 

von Alfons Wieber

 

Stadtallendorf. Mit einem begeisternden Neujahrskonzert beeindruckte das Marburger Studenten-Sinfonieorchester in der Stadtallendorfer Stadthalle. Mit rund 500 Musikinteressierten war das Konzert noch besser besucht als im vergangenen Jahr, als etwa 400 Gäste gekommen waren. Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Ulrich Manfred Metzger bot das 65-köpfige Orchester, das größtenteils aus Studierenden aller Fachbereiche der Philipps- Universität besteht, erneut ein Feuerwerk bekannter klassischer Meisterwerke von Peter Tschaikowski, Johann Strauss (Sohn) und Jaques Offenbach bis hin zu Kompositionen von Emmerich Kálmán, Franz Lehár und Georges Bizet.

Ein Genuss war beispielsweise Bedrich Smetanas bekannte »Moldau«. Wie bereits beim Auftritt am Neujahrsabend in Marburg bot die Sopransolistin Daniela Zanger eine hervorragende Gesangsleistung. Professionell, mit Witz und Charme führte Tim R. Schneider durch das Programm.

Tosender, minutenlanger Applaus und stehende Ovationen belohnten am Ende die Vorstellung des Studenten-Sinfonieorchesters. Erst nach einer dreifachen Zugabe, der Filmmusik zum Film »Streiflicht«, der »Arie der Frau Fluth« aus den lustigen Weibern von Windsor und dem obligatorischen »Radetzkymarsch« brachen die Musikerinnen und Musiker ab und verließen das Publikum.

SSO macht Appetit auf »Carmen«

Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg und sein Dirigent Ulrich Manfred Metzger beim Neujahrskonzert 2012 in der Marburger Stadthalle vergrößern

Ausverkauft war die Stadthalle beim Neujahrskonzert des Studentensinfonieorchesters.

Oberhessische Presse, Dienstag, 03.Januar 2012; www.op-marburg.de

 

Anders als beim großen Vorbild, dem Wiener Neujahrskonzert, kamen die Werke der Strauß-Dynastie in der ausverkauften Marburger Stadthalle und am Montagabend in Stadtallendorf nur am Rande vor.

 

von Michael Arndt

 

 

Marburg. Das Publikum erwartet in einem Neujahrskonzert fröhliche Töne. Und fragte sich deshalb in den ersten Minuten, ob es auf der richtigen Veranstaltung sei. Denn das Studenten-Sinfonieorchester Marburg (SSO) begann sein Programm mit dem düster dräuenden Schicksalsmotiv aus der Oper »Carmen«.

 

Doch dann ging es zwar auch besinnlich, aber doch vorwiegend heiter weiter. Und Georges Bizets Meisterwerk war noch mit zwei weiteren Orchestervorspielen vertreten. Aus gutem Grund, wie Moderator Tim R. Schneider den fast 1000 Zuhörern in der ausverkauften Marburger Stadthalle erklärte: Das SSO plane gemeinsam mit dem Gymnasium Philippinum im Juni zwei konzertante »Carmen«-Vorstellungen, denen quasi als »Generalprobe« eine Aufführung in den Berliner Philharmonie vorausgehen werde.

 

Ein anspruchsvolles Vorhaben, das intensive Proben erfordert. Die standen für das nicht minder anspruchsvolle Programm des Neujahrskonzertes offenbar nicht im erforderlichen Ausmaß zur Verfügung, weil doch deutlich mehr Missklänge zu hören waren als in den Semesterabschlusskonzerten des SSO – vor allem dort, wo es um das Ausmalen poetischer Stimmungen und lyrisches Schwelgen ging wie in Edvard Griegs »Morgenstimmung«, Pjotr Iljitsch Tschaikowskis »Blumenwalzer« oder dem nächtlichen Nymphenreigen in Bedrich Smetanas »Moldau«.

Immer wenn das SSO in die Vollen gehen durfte, überzeugte es ohne Einschränkungen: Wenn die »Moldau« zum reißenden Fluss wird und triumphal die goldene Stadt Prag erreicht; wenn Höllenfürst Pluto in Jaques Offenbachs Operette »Orpheus in der Unterwelt« zum »Can Can« auffordert oder Carl Maria von Weber »zum Tanz«. Dass die Sopranistin Daniela Zanger in »Höre ich Zigeunergeigen« aus der Operette »Gräfin Mariza« kaum zu hören war, lag nicht am Orchester und seinem Dirigenten Ulrich Manfred Metzger, sondern an Emmerich Kálmáns dicker Instrumentierung.

 

Sopranistin umgarnt Herren aus dem Publikum

 

Franz Lehár ging da fürsorglicher zu Werke. Und so konnte Zanger mit »Meine Lippen, sie küssen so heiß« aus »Giuditta« doch noch als Operettendiva glänzen, einige Herren der Schöpfung aus Orchester und Publikum ins Verführungsspiel einbeziehend. Noch mehr überzeugte sie aber, vom SSO und Metzger hingebungsvoll und einfühlsam begleitet, als Opernsängerin: mit atemberaubender Piano-Kultur und vorbildlicher Textdeutlichkeit, am Ende aber auch mit leuchtendem Jubelton in der ersten Agathen-Arie aus Webers »Freischütz« und mit der als Zugabe gesungenen, kapriziös kolorierten Arie der Frau Fluth aus Otto Nicolais »Lustigen Weibern von Windsor«.

 

Die Werke der Strauß-Dynastie, die andernorts und vor allem in Wien die Neujahrskonzerte beherrschen, kamen in Marburg nur am Rande vor: die Schnellpolka »Unter Donner und Blitz« von Johann Strauß (Sohn) im offiziellen Teil des Programms und der unvermeidliche »Radetzkymarsch« von Johann Strauß (Vater) als letzte der drei Zugaben.

Mit der ersten machte das SSO ein zweites Mal Werbung in eigener Sache: für die am vierten Advent gemeinsam mit der Jungen Marburger Philharmonie in Wehrda eingespielte Musik zum in Marburg gedrehten Film »Streiflicht«. Über den großen Beifall des Publikums durfte sich am Sonntag in der Stadthalle auch der Komponist Markus Metzler freuen.

 

Das SSO ist schon in einem Monat wieder zu erleben: Im Audimax spielt es am Dienstag, 31.Januar und Samstag,4.Februar, jeweils ab 20.00 Uhr die »Coriolan«-Ouvertüre von Ludwig van Beethoven und die zweite Sinfonie von Jean Sibelius sowie das wundervolle Cellokonzert von Edward Elgar.

 

 

Der Kontrabass im Rampenlicht

Studenten-Sinfonieorchester Marburg begleitet Nabil Shehata am Kontrabass vergrößern

In Nabil Shehata hat das Marburger SSO einen weltweit gefeierten Solisten am Kontrabass für seine Semesterabschlusskonzerte verpflichtet. Foto: Thomas Breme

Oberhessische Presse, 30.06.2011; www.op-marburg.de

 

Studenten-Sinfonie-Orchester begeisterte das Publikum ausschließlich mit Musik des 20. Jahrhunderts

 

Höhepunkt des Programms in der Stadthalle war ein hinreißendes Kontrabass-Konzert eines der bedeutendsten Filmkomponisten aller Zeiten, atemberaubend gespielt von einem Weltklasse-Solisten.

 

von Michael Arndt

 

Marburg. Der Kontrabass – ein schwerfälliges, stets etwas brummiges Instrument? Irrtum! Er ist ein höchst agiler und aufgeweckter Bursche. Wenn er denn mal im Rampenlicht stehen darf und vor allem wenn ihn jemand wie Nabil Shehata zum Leben erweckt.

Der 31-Jährige musizierte bis vor drei Jahren am ersten Pult der Berliner Philharmoniker und ist derzeit ein weltweit gefragter Konzertsolist sowie Kammermusikpartner. Ihn nach Marburg zu verpflichten, ist eine kleine Sensation – in etwa so, als engagierte man den Pianisten Lang Lang oder den Geiger David Garrett.

Schade deshalb, dass die Stadthalle am Dienstag beim Semesterabschlusskonzert des Studenten-Sinfonieorchesters Marburg (SSO) nur etwa zu zwei Dritteln gefüllt war. Aber das war vielleicht auch dem sommerlichen Grillwetter geschuldet – oder dem Programm, das ausschließlich Werke des 20. Jahrhunderts enthielt.

Wobei die Furcht vor »modernen« Klängen völlig unberechtigt war. Denn das SSO spielte ausschließlich Musik, die noch fest in der Dur-Moll-Tonalität verwurzelt ist. Zum Warmspielen gab‘s eine Ouvertüre, die der 1915 geborene Neuseeländer Douglas Lilburn 1940 während seines Studiums in London komponiert hat: eine klangfarbenreiche Lobeshymne auf die Naturschönheiten von »Aotearoa«, wie Neuseeland in der Sprache der Maori heißt. In der dynamisch fein abgestuften Wiedergabe des SSO ließen besonders die hohen Streicher mit seidigem Glanz und die mit dankbaren Aufgaben betrauten Holzbläser aufhorchen.

 

Sie spielten auch eine zentrale Rolle als Dialogpartner des Solisten im Divertimento concertante für Kontrabass und Orchester von Nino Rota. Der vor 100 Jahren geborene Filmmusik-Meister, der unter anderem für Federico Fellini und Francis Ford Coppola komponiert hat, lässt in seiner hinreißenden, von mediterraner Leichtigkeit getragenen Konzertmusik, die zwischen 1968 und 1973 entstanden ist, den funkensprühenden Witz Gioacchino Rossinis wiederaufleben.

Nabil Shehata entlockte seinem Instrument, das ihn um Haupteslänge überragte, einen wunderbar samtig-weichen, singenden, dabei stets raumfüllenden Ton in allen Lagen und raubte den Zuhörern den Atem mit seiner phänomenalen Virtuosität. Und er spornte mit seiner sympathisch kollegialen Art auch das hingebungsvoll begleitende SSO zur Höchstleistung an.

 

Das widmete sich abschließend einer Examensarbeit: der Sinfonie Nr. 1 f-Moll op. 10 von Dmitri Schostakowitsch. Ein rhythmisch vertracktes Werk, das einen präzise schlagenden Dirigenten wie Ulrich Manfred Metzger braucht. Er sorgte jedoch nicht nur für Genauigkeit im Zusammenspiel, sondern richtete sein Augenmerk auch auf den jugendlichen Übermut, mit dem der 19 Jahre alte Komponist sich 1925 über klassische Formvorgaben hermachte, indem er sie karikierte. Das SSO hatte hörbar Spaß daran – vom kammermusikalischen Beginn über Marsch und Walzer bis zum pathetischen, blech- und schlagwerkgesättigten Finale. Und es überzeugte auch in den zahlreichen Soli – hervorzuheben sind wieder die Holzbläser, aber auch die Konzertmeisterin und der Stimmführer der Violoncelli.

 

Für den Applaus der begeisterten Zuhörer bedankte sich das SSO mit der Filmmusik zu »Raumschiff Enterprise«. Und wird diese sicher auch bei der Wiederholung des Konzertes am Samstag ab 20 Uhr in der Stadthalle spielen. Am Freitag spielt das Orchester beim Sommerfest des Bundespräsidenten.

SSO ist zu Gast beim Bundespräsidenten

SSO Marburg tritt beim Sommerfest des Bundespräsidenten 2011 gemeinsam mit Willi Weitzel auf. vergrößern

Im roten Anzug trat Willi Weitzel auf die Bühne, um mit dem SSO »Peter und der Wolf« zu präsentieren, rechts neben ihm steht Dirigent Ulrich Metzger. Moderatoren waren Hape Kerkeling (3.v.r.) und Nazan Eckes (4.v.r.). Privatfoto.

Oberhessische Presse, 05.07.2011; www.op-marburg.de

 

Auftritt gemeinsam mit Willi Weitzel

 

Berlin. Große Ehre für das Studenten-Sinfonieorchester (SSO): Am vergangenen Freitag hat es in Berlin im Schlosspark von Bellevue beim Sommerfest des Bundespräsidenten gespielt. Zusammen mit Fernsehstar Willi Weitzel führte es - wie schon beim Hessentag in Stadtallendorf - Sergej Prokowjews »Peter und der Wolf« auf.

Neben zahlreichen Prominenten aus Politik, Wirtschaft, Sport und Gesellschaft sowie engagierten Bürgern waren diesmal auch 500 Kinder unter den etwa 5000 Gästen von Bundespräsident Christian Wulff. Die freuten sich besonders über das Märchen von Peter und dem Wolf, das Willi Weitzel als Sprecher erzählte. Zu Anfang stellte er einzelne Instrumente des Orchesters vor. Da hat vielleicht auch Ex-Nationaltorwart Oliver Kahn noch etwas gelernt, der auch im Publikum saß.

Moderiert wurde das Bühnenprogramm von Nazan Eckes und Hape Kerkeling, die später noch Auftritte der Rockband Silly und des DJs Mousse T präsentierten.

Auf den im Schlosspark verteilten Bühnen unterhielten insgesamt 280 Künstler das Publikum, bevor ein großes Feuerwerk das Fest beschloss.

Applaus erreicht Orkanstärke

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Das Studenten Sinfonie-Orchester gab am Dienstag das erste von zwei Semesterabschlusskonzerten in der Lutherischen Pfarrkirche. Foto: Michael Hoffsteter

Oberhessische Presse, 10.02.2011; www.op-marburg.de

 

Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg begeisterte das Publikum mit selten zu hörenden Werken

 

Eine Flötistin aus dem Studenten-Sinfonieorchester Marburg (SSO) erhielt am Dienstag in der ausverkauften Lutherischen Pfarrkirche Gelegenheit, mit einem Solokonzert zu glänzen.

 

von Michael Arndt

 

Marburg. Das SSO ist endgültig erwachsen geworden: Was traditionsbewusste Zuhörer bei seinen Auftritten bisweilen gestört hatte, das Beifallspenden zwischen den Sätzen eines Musikstücks - es ist seit dem 40. Semesterabschlusskonzert Vergangenheit. Die Musiker baten darum, auf Zwischenapplaus zu verzichten, um ihre Konzentration nicht zu stören. Und alle Besucher hielten sich daran.

Der berechtigten Begeisterung über das Spiel des 70-köpfigen Orchesters tat dies keinen Abbruch - im Gegenteil: Der Applaus nach dem zentralen Solokonzert und nach Sergej Rachmaninows erster Sinfonie erreichte Orkanstärke, was in schönster SSO-Tradition mit Filmmusik belohnt wurde: derjenigen zu »Jurassic Park«, in Töne gesetzt von John Williams, der wie alle Hollywood-Komponisten Rachmaninows Einfluss nicht verleugnet.

Schon zu Beginn entfachte Ulrich Manfred Metzger in der Ouvertüre zu Richard Wagners Oper »Der fliegende Holländer« einen Orchestersturm, wie er furioser nicht hätte sein können. Das SSO zeigte, dass es derzeit ganz nah an Profi-Niveau musiziert: mit machtvollem Blech, geschmeidigen Holzbläsern und Streichern, die sich auch im größten Tumult energisch und vor allem klangschön behaupten.

Und das SSO hat einige hervorragende Solisten und Solistinnen in den eigenen Reihen. Eine von ihnen erhielt Gelegenheit, das D-Dur-Flötenkonzert op. 283 von Carl Reinecke zu spielen. Die 22-jährige Marburger Medizinstudentin Maren Plagmann hat eine beeindruckende Anzahl von fünf Ersten Preisen bei »Jugend musiziert« auf Bundesebene errungen, 2006 wurde sie sogar mit der Höchstpunktzahl in der Wertung »Querflöte solo« ausgezeichnet. So, wie sie Reineckes musikalisch und technisch gleichermaßen anspruchsvollen Solopart spielte, braucht sie sich hinter Vollzeit-Flötistinnen nicht zu verstecken. Betörend weich war ihr Ton im impressionistischen Farbenspiel des Kopfsatzes und im romantisch-ariosen Mittelsatz, wo es zu wunderschönen Duetten mit Solocello, Klarinette und Oboe kam. Und mit atemberaubender Leichtigkeit faszinierte sie im funkelnden Figurenwerk des Finales.

Für Rachmaninows d-Moll-Sinfonie nahm Plagmann wieder im Orchester Platz. Dieses Werk des russischen Spätromantikers ist im Konzertsaal noch seltener zu erleben als Reineckes Flötenkonzert. Zu Unrecht, wie Metzger und das SSO mit ihrem flammend musizierten Plädoyer bewiesen. Der junge Komponist verleugnet zwar nicht sein großes Vorbild Peter Tschaikowsky. Aber viel wichtiger ist, dass sich in seinem sinfonischen Erstling mehr als einmal das meisterhafte Spätwerk ankündigt - etwa im furiosen Finale mit seinen martialischen Marschrhythmen die genialen »Sinfonischen Tänze«, nicht nur weil auch dort wie in der ganzen ersten Sinfonie und noch in weiteren Werken Rachmaninows das gregorianische »Dies Irae« eine zentrale Rolle spielt. Die Sinfonie ist zudem glänzend instrumentiert, bleibt so auch in den manchmal geradezu orgiastischen Klangballungen der Ecksätze immer durchhörbar und bietet zahlreiche dankbare Soli, bei denen an allen Pulten keine Wünsche offen blieben.

Dreimal dürfen Musiker »nachsitzen«

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Solistin Marion Clausen begeisterte in Stadtallendorf mit einer Arie. (Foto: Alfons Wieber)

Oberhessische Presse, 04.01.2011; www.op-marburg.de

 

Das zweite Neujahrskonzert des Studenten-Sinfonie-Orchesters Marburg knüpfte nahtlos an den Erfolg des Vorjahrs an. Wie beim Auftritt in Marburg boten die Musiker Anspruchsvolles und Unterhaltendes.

 

von Alfons Wieber

 

Stadtallendorf. Ein begeisterndes Neujahrskonzert haben die Musikerinnen und Musiker des Marburger Studenten-Sinfonieorchesters am Sonntagabend in der Stadtallendorfer Stadthalle gegeben. Nach dem höchst erfolgreichen Konzert der Marburger Studenten zum Neujahr des vergangenen Jahres waren die Erwartungen der Besucher hochgesteckt. Sie wurden nicht enttäuscht. »Wir waren im vergangenen Jahr auch hier. Weil es uns so gut gefallen hat, war das heutige Kommen für uns ein absolutes Muss«, freute sich Werner Gemmecker aus Stadtallendorf auf das Konzert.

 

Mit viel Schwung und Temperament nahmen die rund 60 Musiker, die auf der Bühne der Stadtallendorfer Stadthalle kaum Platz fanden, gleich zu Beginn mit der »Leichten Kavallerie« von Franz von Suppé die fast 400 Besucher mit auf eine musikalische Reise durch klassische und moderne Stücke.

 

Unter der Leitung ihres Chefdirigenten Ulrich Manfred Metzger standen anfangs vorwiegend klassische Stücke wie die »Jockey Polka« von Josef Strauß oder »Galopp aus der Masquerade Suite« von Aram Chatschaturjan auf dem Programm. Nach der Pause begeisterten die Musiker die Konzertbesucher dann mit bekannten Operetten- oder Musical-Melodien wie die »Glorreichen Sieben« von Elmar Bernstein oder dem Jazz-Klassiker »Summertime« von George Gershwin.

 

Eine hervorragende Vorstellung boten die beiden Solisten des Abends: Sergej Bolkhovets mit dem Violinkonzert Nr. 5 von Wolfgang Amadeus Mozart und die Lyrik-Sopranistin Marion Clausen, eine gebürtigte Frankenbergerin, die jetzt in Marburg wohnt, mit der Arie »Du sollst der Kaiser meiner Seele sein« von Robert Stolz sowie »Oh mio babbino caro« von Giacomo Puccini. Durch ihr ausdruckstarkes und ausgeprägtes Stimmvolumen sowie ihre sehr sichere Intonation der Arien begeisterte sie die Zuhörer.

 

Die mit einem hohen Schwierigkeitsgrad aufwartende sechsteilige »Feuervogel Suite« von Igor Strawinsky wurde von dem Orchester perfekt gemeistert. Professionell, mit einem fundierten Fachwissen und mit vielen lockeren Sprüchen seiner angenehmen Stimme höchst unterhaltend führte Tim R. Schneider durch das Programm.

 

Trampeln, Pfiffe, Bravo-Rufe, stehende Ovationen und fast nicht enden wollender Applaus belohnten am Ende die vorzügliche Leistung von Dirigent, Solisten und Orchester. Erst nach einer dreifachen Zugabe, die aus »Unter Donner und Blitz« von Johann Strauß, »I got Rhythm« von George Gershwin und dem obligatorischen »Radetzky Marsch« von Johann Strauß bestand, wurden die Musiker vom Publikum entlassen. »Das ist ein klasse Orchester. Ich freue mich immer, wenn so viele junge Leute musizieren«, urteilte Josef Müller aus Stadtallendorf nach drei Stunden. Ein Anrufer in der Redaktion beklagte gestern lediglich den nicht vorhandenen Bühnenschmuck. Das Orchester spielte vor einer schwarzen Wand.

Spritziges Spiel begeistert

Dirigent Ulrich Manfred Metzger und sein Studenten-Sinfonieorchester gaben beim Semesterabschlusskonzert alles. (Foto: Lecher) vergrößern

Dirigent Ulrich Manfred Metzger und sein Studenten-Sinfonieorchester gaben beim Semesterabschlusskonzert alles. (Foto: Lecher)

Marburger Neue Zeitung, 15.07.2010

 

Marburg. Restlos begeistert hat das Studenten-Sinfonieorchester (SSO) Marburg am Dienstagabend bei seinem Semesterabschlusskonzert im Audimax im Hörsaalgebäude der Philipps-Universität. Unter der Leitung von Ulrich Manfred Metzger zeigten die Musiker die große Bandbreite ihres Könnens.

 

 

von Sonja Lecher

 

Mit Arturo Márquez' Danzón No. 2 setzten die jungen Musiker einen spritzig-fetzigen Konzertauftakt. Für knapp 15 Minuten entfalteten sie die mitreißenden, schwierigen Rhythmen, die Márquez auf der Grundlage des Son als wichtigster Gattung der kubanischen Musik entwickelt. In einem Rhythmus-Workshop, der direkt auf diese Komposition ausgelegt war, bereiteten sich die Musiker auf das Werk vor - mit Erfolg: Scheinbar mühelos und mit sichtlich viel Spaß präsentierten sie das Werk, bei dem neben Pauke, Schlagzeug und weiteren Perkussionsinstrumenten auch ein Klavier die Besetzung ergänzten. Die Komposition aus dem Jahr 1994 erklang durch das SSO-Konzert erstmals in Marburg. Das Publikum war hellauf begeistert.

Einen völlig anderen, nicht minder begeisternden Charakter hatte Béla Bartóks Konzert für Viola Sz. 120 op. posthum, das die Musiker mit Solistin Sophia Reuter spielten. Die Bratschistin, Tochter des Dirigenten Rolf Reuter und Enkelin des Komponisten Fritz Reuter, brillierte in dem dramatisch-melancholischem und höchst anspruchsvollen Werk, das dem Soloinstrument viele spieltechnische Herausforderungen abverlangt.

 

Musiker wickeln Publikum um den Finger mit völlig verschiedenen Kompositionen

 

Nach solistischen Anfang entwickelten Reuter und das Orchester die verschlungenen Melodieführungen und das komplizierte Wechselspiel von Solo und Orchester. Nach den drei nahtlos aneinander gereihten Sätzen mündete die Komposition in einen furios wilden Schluss. Sophia Reuter belohnte das mitgerissen applaudierende Publikum mit einer solistischen Zugabe Johann Sebastian Bachs, in der sie noch einmal ihre große Klasse zeigte.

Mit der Sinfonie Nr. 3 in f-Moll op. 90 von Johannes Brahms stimmte das SSO erneut völlig andere Töne an. Und im Gegensatz zu der aufwühlenden Komposition Bartóks wirkte Brahms' Sinfonie zunächst fast ruhig. Der zweite Satz entfaltete sich aus einem sanften Auftakt von Holzbläsern/Hörnern und tiefen Streichern, gefolgt von markanten Melodien im Poco Allegretto. Im Finalsatz glänzten die Musiker noch einmal mit starken Dynamik-Wechseln, die in einem Pianissimo mündeten.

Für tosenden Applaus sorgten sie mit ihrer Zugabe: Filmmusik zu »Fluch der Karibik 3«, zu der sich Metzger als Pirat verkleidete. Am Samstag, 17. Juli, wiederholt das SSO dieses Konzert. Beginn ist um 20 Uhr im Audimax in der Biegenstraße.

 

 

Sinfonische Ländler und Piratensongs

Sophia Reuter und das Studenten-Sinfonieorchester Marburg unter Dr. Ulrich Manfred Metzger führten das Viola-Konzert von Béla Bartók auf. (Foto: Dr. Justus Noll) vergrößern

Sophia Reuter und das Studenten-Sinfonieorchester Marburg unter Dr. Ulrich Manfred Metzger führten das Viola-Konzert von Béla Bartók auf. (Foto: Dr. Justus Noll)

Oberhessische Presse, 16.07.2010; www.op-marburg.de

 

Werke von Brahms, Bartók und Márquez standen am Dienstag auf dem Programm des Studenten-Sinfonieorchesters Marburg (SSO) im nahezu vollen Audimax.

 

von Dr. Justus Noll

 

Marburg. Wie kürzlich die Marburger Junge Philharmonie mit einer Tschaikowsky-Sinfonie, traute sich auch das Studenten-Sinfonieorchester an die Aufführung eines Spitzenwerks der Orchester-Literatur, das eigentlich nur für Berufsorchester machbar ist. Die dritte Sinfonie von Johannes Brahms wurde im Todesjahr Wagners geschrieben, an den sie manche Experten erinnert. Andere sehen den Einfluss von Beethoven im Vordergrund.

Für das Allegro con brio wählte Dirigent Dr. Ulrich Manfred Metzger jedenfalls ein nicht zu schnelles, den Fähigkeiten seiner Musiker angemessenes und angenehmes Tempo. Das ruhige und nachdenklich-lyrische Andante gab den Solo-Instrumenten im Orchester, darunter insbesondere der Klarinette, Lieblingsinstrument des Komponisten, viele Gelegenheiten, Können zu beweisen und die weiten Melodiebögen der Sinfonie liebevoll zu musizieren. Dem dritten Satz, einem melancholischen Ländler, bewilligte das SSO nur sehr wenig »poco allegretto«, es zelebrierte eher einen Trauermarsch.

Durch Spielfreude und großen Einsatz der Musiker wurde das rhythmisch anspruchsvolle und zerklüftete Schluss-Allegro ein gelungener Beweis für die Richtigkeit des Versuchs, Marburgs Freunde der Sinfonik durch eine große Sinfonie zu überraschen.

Mit der Dresdnerin Sophia Reuter als Solistin, die erste Solobratschistin der Duisburger Philharmoniker (Deutsche Oper am Rhein) ist, kam eines der interessantesten Werke Béla Bartóks zur Aufführung. Das posthume Viola-Konzert wurde für den schottischen Bratscher William Primrose begonnen und nach dem Tod des Komponisten 1945 von Bartóks Schüler Tibor Serly komplettiert.

Souverän im engen Gang zwischen Orchester-Podest und erster Stuhlreihe des Audimax stehend, spielte Sophia Reuter leidenschaftlich, virtuos und mit hervorragend klangvollem Viola-Ton das mitreißende Werk des modernen Klassikers, gekonnt begleitet vom SSO. Für den überbordenden Beifall des Publikums bedankte sie sich vor der Pause mit einer Sarabande von Bach.

Zur stilgerechten Einstudierung des Danzón No. 2 für großes Orchester des 1950 geborenen mexikanischen Komponisten Arturo Márquez hatten die Orchestermitglieder unter der Leitung von Professor José Cortijo an einem Rhythmus-Workshop teilgenommen, der vom Kaufhaus Ahrens und der Sparkasse Marburg-Biedenkopf finanziert wurde. Danach gelang es dem Orchester, die Herausforderungen der kubanischen Son-Rhythmen, die dem Stück zugrunde liegen, gut zu bewältigen.

Wie bereits Tradition beim Studenten-Sinfonieorchester, gestaltete sich die erste Zugabe des Abends als ein Studentenulk: Das SSO verwandelte sich in einen Haufen Piraten, Ulrich Manfred Metzger trug ein rotes Piraten-Kopftuch und dann enterte die schwungvolle Filmmusik »Fluch der Karibik, Teil 3« die Trommelfelle des begeisterten Publikums.

 

Am Ende ist Peter der strahlende Held

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Willi »Helmar« Weitzel verwandelte sich mit Mimik und Gestik in den bösen Wolf. Begleitet wurde der Stadtallendorfer vom Studenten-Sinfonie-Orchester unter Leitung von Ulrich Manfred Metzger. © Thorsten Richter

Oberhessische Presse, 04.06.2010; www.op-marburg.de

 

Das Publikum feierte gestern Willi »Helmar« Weitzel und das Marburger Studenten-Sinfonie-Orchester.

 

Sie tobten gestern Nachmittag alle, als Willi »Helmar« Weitzel das Musikmärchen von »Peter und der Wolf« zu Ende erzählt hatte. Rund 2 500 Besucher hatten zugehört.

 

von Michael Rinde

 

Stadtallendorf. Die Ente ist allzu unvorsichtig, als sie aus Angst vor dem Wolf aus dem schützenden Wasser hüpft. Schnapp-schnapp, da hat das böse Tier sie erwischt und verschlungen. Untermalt von dem gewohnt perfekten Spiel des Marburger Studenten-Sinfonie-Orchesters erzählte der Stadtallendorfer Fernseh-Star Willi Weitzel auch diese Episode aus »Peter und der Wolf«. Im Hessen-Palace herrschte Stille im Publikum. Ganz aufmerksam hörten kleine und große Besucher des Musikmärchens dem zu, was auf der Bühne passierte.

Die klassische Erzählart von »Peter und der Wolf« hatten die Macher dieser einmaligen Aufführung nicht verändert. Jeder Figur sind wie im Original von Sergei Prokofjew ein Instrument und eine Melodie zugeordnet. Peters Melodie erklang leicht, fröhlich und zuversichtlich, der Wolf, dank der Hörner, bedrohlich. Schließlich bildete das am Waldrand stehende große, graue Tier eine schreckliche Gefahr für singenden Vogel, miauende Katze und quakende Ente.

Weitzel zeigte, dass er nicht nur Fernsehmoderator ist, sondern auch Schauspielkunst im Blut hat. Grimassen- und gestenreich bewies er Erzählfertigkeiten. Und er nahm sein Publikum mit. Überall auf den Rängen und Plätzen blitzte und blinkte es, die Kinder schwenkten kleine Leuchtstäbe. Erschreckt schauen sie hoch, als die Ente im Schlund des bösen Wolfes mit seinen 37 Reißzähnen endet. Auch Peter gerät in Bedrängnis, doch der Vogel rettet ihn. Schließlich kann das graue Tier ja nicht fliegen, nur schnappen. Schrotschüsse erklangen, als der Wolf in Bedrängnis kommt. Hinter den Schrotschüssen verbargen sich die Pauken. Willi Weitzel hatte es versprochen: Bei seiner Version geht die Geschichte gut aus. Der Wolf wurde gefangen, nicht erschossen. Und auch die Ente blieb am Leben, quakte aus dem Bauch des Wolfes. Peter wurde zum Helden und sein Großvater war glücklich. Und dann hatten die kleinen Willi-Fans endlich die große Chance auf ein Autogramm. Die Schlange vor dem Stadtallendorfer war riesig und er zeigte Geduld und Muße. Die Kleinen dankten es ihm. Wer Willi Weitzel beim Hessentag erleben möchte, hat bei seinen Gesprächsrunden um 14 und 17 Uhr aud der Segendorf-Bühne dazu Gelegenheit.

 

Lustvoll musizierter Hollywood-Sound

Oberhessische Presse, 04.02.2010

 

Trotz Schnee, Regen, Eis und Busfahrerstreik blieben am Dienstag im Audimax nur wenige Plätze leer beim Semesterabschlusskonzert des Studenten-Sinfonieorchesters Marburg (SSO).

 

von Michael Arndt

 

Marburg. Es war für viele Zuhörer ein beschwerlicher und teilweise auch nicht ganz ungefährlicher Weg zum Konzert. Aber wer ein Fan des SSO ist, der nimmt das auf sich, weil er weiß, dass er mehr als reich belohnt wird. Und das war auch am Dienstagabend im Audimax der Fall, wo die 70 Musikerinnen und Musiker den ungefähr 800 Zuhörern ein so anspruchsvolles wie unterhaltsames Programm boten.

Fast ein Drittel des SSO ist seit diesem Semester neu mit von der Partie. Und noch etwas fällt auf den ersten Blick auf: Es ist ein überwiegend weibliches Orchester, nur noch bei den Blechbläsern und beim Schlagwerk sind die Männer unter sich. Das ist übrigens auch der Fall bei Jugendorchestern, deren Mitglieder Profimusiker werden wollen. Aber im SSO musizieren ja Studentinnen und Studenten, für die Musik eine Freizeitbeschäftigung ist - auch wenn der Höreindruck dies oft nicht glauben lässt. So gleich bei der Ouvertüre zu Gioachino Rossinis komischer Oper »Der Barbier von Sevilla«, die Ulrich Manfred Metzger ohne Taktstock dirigierte, weil sie für ihn geniale Kammermusik ist. Sicher, da gab es bei den solistisch besonders geforderten Holzbläsern und Hörnern einige, wohl dem Lampenfieber geschuldete, Patzer, aber die ansteckende Musizierfreude, mit der alle Orchestermitglieder sich ins Zeug legten, der elektrisierende Elan, mit denen sie die für Rossini typischen Crescendi zünden ließen, machten diese mehr als wett.

Als nächstes bot das SSO dem Publikum ein Werk, das zuvor in Marburg noch nie zu hören war: Das 1947 vom großen Jascha Heifetz in St. Louis uraufgeführte D-Dur-Violinkonzert von Erich Wolfgang Korngold. Dieser hat sich für die ohrwurmartigen Themen einiger seiner für Hollywood komponierten und teilweise oscargekrönten Filmusiken bedient. Das auch glänzend orchestrierte Wertk ist ein Leckerbissen für jeden Vollblutgeiger, also auch für den Bulgaren Dimiter Ivanov, der als Erster Konzertmeister des Frankfurter Opernorchesters in dieser Spielzeit schon mit Korngold Erfahrung gemacht hat, mit dessen Meisterwerk »Die totale Stadt«.

Ivanov widmete sich der immer von Herzen kommenden, nie kitschigen Melodienseligkeit mit schlankem, feinem und betörend süßem Ton, der mühelos bis in die letzten Reihen des Audimax trug. Und die virtuosen Tücken meisterte er mit einer Selbstverständlichkeit, die den Atem anhalten ließ. Dies alles hingebungsvoll begleitet vom SSO, das von Metzger zu einer dynamischen Feinzeichnung angehalten wurde, dem er aber auch den lustvoll angegangenen spätromantischen Hollywood-Sound gönnte.

Metzger ist ein glänzender Orchestererzieher. Und ein Dirigent, der junge Musiker zu begeistern weiß. Zu bewundern war dies auch in der so differenzierten wie leidenschaftlichen Wiedergabe der hochdramatisch-ernsten d-Moll-Sinfonie von Antonín Dvorák, wo alle Orchestergruppen reichlich Gelegenheit hatten, ihr beträchtliches Können in anspruchsvollen Aufgaben zu beweisen.

Für stürmischen Applaus bedankte sich das SSO - schon traditionell - mit einer Filmmusik, der zu »Herr der Ringe«.

Lust- und freudvoll musiziert

Sopranistin Ju Yuong Jun in großer Pose auf der Bühne der Marburger Stadthalle: Am Tag vor dem Stadtallendorfer Konzert spielte das Orchester sein Neujahrsprogramm bereits dort vor ausverkauftem Haus. © Rainer Waldinger

Oberhessische Presse, 04.01.2010, www.op-marburg.de

 

Das Neujahrskonzert des Studenten-Sinfonieorchesters (SSO) Marburg unter seinem Dirigenten Ulrich Manfred Metzger am Samstag in der Stadtallendorfer Stadthalle war ein Volltreffer. Insgesamt bejubelten mehr als 1000 Besucher die beiden Konzerte des SSO in Marburg (an Neujahr) und in Stadtallendorf.

 

von Helmut Rottmann

 

Stadtallendorf. Das Konzert war fast ausverkauft: 450 Besucher feierten nach gut zwei Stunden Musik das Orchester, die Solisten und Dirigent Metzger stürmisch mit Bravo-Rufen, mit Fußgetrampel und rhythmischem Beifall, der in Ovationen im Stehen mündete. Zugaben wollen bekanntlich erklatscht werden. Ein Leichtes für das Stadtallendorfer Publikum: Es spendete nicht nur nach jedem Werk Applaus, sondern animierte auch das SSO zu drei bereitwillig gewährten Draufgaben.

Die Freude über das gelungene Konzert war beim Orchester und den Zuhörern zu erkennen. Ihnen scheint dafür der 2. Januar lieber als der Neujahrstag zu sein. Das zusammen sind beste Voraussetzungen für den Beginn einer Tradition.

An diesem Abend stimmte also fast alles: Ulrich Metzger hatte ein ebenso abwechslungsreiches wie anspruchsvolles Programm mit Märschen, Polkas, Ouvertüren, Opernarien, Filmmusik und Walzern zusammengestellt. Uwe Henkhaus führte informativ und mit netten Anekdoten über Komponisten und ihre Stücke durch das 14-Werke-Programm.

Flirtende Opernsängerin bezaubert das Publikum

Die umjubelte Sopranistin Daniela Zanger. © Schubert

Die umjubelte Sopranistin Daniela Zanger. © Schubert

Oberhessische Presse, 12.07.2009, www.op-marburg.de

 

Klassik auf unterschiedlichstem Niveau gab es am Freitagabend auf dem Schlossberg. Dass auch reichlich Spaß und Unterhaltung dazu gehörten, war unter anderem Daniela Zanger zu verdanken.

 

von Manfred Schubert

 

Marburg. Die Opern- und Operettensängerin bereicherte das Programm des Studenten-Sinfonieorchesters Marburg (SSO) nicht nur mit virtuosen Koloraturen in ihren ausdrucksstark vorgetragenen Arien. Sie überraschte Musiker und Zuschauer in der bis auf Stehplätze gefüllten Freilichtbühne mit Charme, Witz, Showtalent und einer gewissen Risikobereitschaft bei ihrer unangekündigten Zugabe »Meine Lippen küssen so heiß« aus Franz Lehárs »Giuditta«.

Lasziv positionierte sie sich in ihrem roten Kleid auf dem Bühnengeländer, um dann einem Streicher über die Haare zu streicheln, rückwärts über die Schultern fassend Dirigent Ulrich Metzger aus dem Takt zu bringen und sich einem Cellisten auf den Schoß zu setzen. Das Publikum tobte vor Begeisterung und verlangte eine weitere Zugabe.

Spaß hatten auch die Zuhörer beim Vokalensemble Quartsext. Die Sänger eröffneten ihr Konzert mit einer Hommage an Schiller, die unter anderem aus der Ode an die Freude und einem Stück aus der Glocke bestand. Zu viert und zu fünft präsentierten sie gelungene a-cappella-Interpretationen von Popsongs. Auf den beiden anderen Bühnen im Schlosspark hatte der musikalische Nachwuchs Gelegenheit, sein Können zu zeigen.

Metzger dirigiert mit glühendem Schwert

Konzertmeisterin Janina Hannig (von links) mit dem Klarinetten-Virtuosen Matthias Glander und dem Leiter des Studenten-Sinfonieorchesters, Ulrich Manfred Metzger. © Dr. Justus Noll

Oberhessische Presse, 07.07.2009, www.op-marburg.de

 

 

Das Studenten-Sinfonieorchester Marburg spielte am Samstag ein anspruchsvolles und hochkarätiges Programm mit Werken von Brahms, Copland und Tschaikowsky.

 

von Dr. Justus Noll

 

Marburg. Der Auftakt war »tragisch«: Die von Brahms so betitelte Ouvertüre op. 81 verlangt starke Konzentration von Spielern und Hörern. Sie entstand schon vor ihrem Schwesterwerk »Akademische Festouvertüre«, die Brahms 1880 als Dank Für seine Ernennung zum philosophischen Ehrendoktor der Universität Breslau unter Verwendung von Kommers-Liedern schrieb.

Die »Tragische« war nicht immer beliebt. Der Gießener Musikprofessor Rudolf Gerber nannte sie 1938 im Gegensatz zum lebendigen Gemälde »einsatzbereiten deutschen Studententums« der »Akademischen Festouvertüre« eine »blässlich-schwache Erfindung«. Davon konnte in der leidenschaftlichen Ausführung des Studenten-Sinfonieorchesters unter Ulrich Manfred Metzger nicht die Rede sein. Nach Überwindung des Problems, den verkappten Trauermarsch möglichst nicht zu massig zu entwickeln, schwang sich das Orchester zu einem überzeugenden und mitreißenden Dur-Schluss auf.

Matthias Glander, seit 1985 erster Solo-Klarinettist im Orchester der Deutschen Staatsoper Unter den Linden in Berlin, war Solist in Coplands »Konzert für Klarinette mit Harfe und Klavier«, das 1947 komponiert und 1950 von Jazzklarinettisten Benny Goodman uraufgeführt wurde. Copland bemühte sich um einen populären amerikanischen Kompositionsstil, der folkloristische Elemente aus latein- und nordamerikanischer Musik inklusive Jazz benutzte. In Europa wurde in den 70er Jahren seine »Fanfare For The Common Man« durch die Rock-Gruppe Emerson, Lake & Palmer bekannt.

Glander lieferte eine glänzende Interpretation des schwierigen Klarinettenparts, dem auch ein Funken echter Jazz-Artikulation nicht fehlte. Der amerikanische symphonische Jazz, sonst eher Sache von Komponisten wie Gershwin oder Bernstein, wurde dadurch zu einem schwungvollen Musikerlebnis im Rahmen der Neuen Musik. Als ein Meister seines Instruments setzte sich Glander mir erstaunlicher Leichtigkeit und Tonqualität über alle Schwierigkeiten wie Extremtöne und Glissandi hinweg - sie ließen Goodman seinerzeit die Uraufführung jahrelang hinauszögern. Zwei adäquat-präzise Begleiterinnen trugen viel zur lockeren instrumentalen Laune des Werks und zu seinem Erfolg beim zahlreichen Marburger Publikum bei: Nina Rosa Neuendorff (Klavier) und Sarah Harting (Harfe). Der zweite Teil des Konzertes war ganz der wenig gespielten riesigen dritten Symphonie von Peter Tschaikowsky gewidmet. Als einzige der sechs Symphonien des Russen steht sie in einer Dur-Grundtonart (D-Dur). Wegen der finalen Polonaise trägt sie den Spitznamen »die Polnische«.

Das Orchester vertiefte sich mit viel Gefühl in die »tragische« Musikwelt Tschaikowskys, in der elegische Trauermärsche und klagende Melodien mit wilden Ausbrüchen wechseln. Ulrich Manfred Metzger hatte eine großartig zusammenhängende Interpretation der fünf umfangreichen Sätze einstudiert, deren kluge Tempi es unter anderem den Solisten der einzelnen Orchestergruppen ermöglichte, ihr gutes Können unter Beweis zu stellen - zum Beispiel in den vielen satzschließenden Bläser-Soli. Davon profitierte auch das Scherzo im vierten Satz. Das »Tempo di Polacca« des Finales, interpretatorisch weniger problematisch als etwa die Polonaise in Schumanns Cello-Konzert, wurde zu einem federnd-elegantem Ausklang des offiziellen Teils. Damit war der Abend, der eine begrüßenswerte Mischung von älterer und neuer Musik bot, aber noch nicht zu Ende. Für den rauschenden Beifall des Publikums bedankte sich das Orchester mit einem kompletten Ballett zum krachenden Arrangement der Star-Wars-Musik, dirigiert von Metzger mit rot glühendem Feuerschwert statt Taktstock.

Kleine Liebhaber der klassischen Musik stürmen die Bühne

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Beim SSO-Kinderkonzert so fühlt sich eine Geige an. Foto: Kroggel

Oberhessische Presse, 29.04.2009,www.op-marburg.de

 

Das Studenten-Sinfonie-Orchester spielte »Babar der kleine Elefant« unter der Leitung von Ulrich Metzger

 

von Lisa Kroggel

 

Marburg. Nicht als Mini-Groupies erklommen die Kinder die Bühne, sondern weil ihre Neugierde auf Musikinstrumente geweckt worden war. Den entscheidenen Satz nach dem Konzert hatte der Orchesterleiter Ulrich Manfred Metzger gesagt: »Und jetzt seid ihr alle eingeladen, auf die Bühne zu kommen und die Instrumente zart anzufassen.«

An den Geigen, der Harfe, den Flöten und Trommeln wollten die Sprösslinge noch einmal Babars beruhigendes Wiegenlied der Streicher, das helle Zwitschern der Dschungelvögel an den Flöten oder die dicke Elefantenmama an der Trommel erklingen lassen. Dabei halfen ihnen die Musiker des Studenten-Sinfonie-Orchesters (SSO) mit sichtbarer Freude.

Das französische Märchen »Babar der kleine Elefant« von Jean de Brunhoff hatte das SSO für Eltern und Kinder nach der Vorlage von Francis Poulenc sehr plastisch vertont. Parallel zu den kindgerechten Musikhäppchen erzählte Metzger von dem Abenteuer des kleinen Elefanten, den es aus seinem Dschungel nach Paris verschlägt, bevor er dann von seinen Freunden zum Dschungelkönig gekrönt wird. Das gefiel den Kindern, die aufmerksam lauschten und fast so still waren, wie ein erwachsenes Publikum. Es sei denn, sie ahmten gerade zusammen mit dem Orchester die Gymnastikübungen von Babar und der alten Dame nach.

Das Konzert zeigte, wie sehr die erzählerische Kraft von Musik Bilder im Kopf entstehen lässt und damit Klein und Groß begeistert und vielleicht zum musizieren anregt.

Die Kinderkonzerte - ein zweites folgte am gleichen Nachmittag - werden traditionell vom Marburger Konzertverein mitveranstaltet. Es sei so wichtig und schön, meinte Metzger, wenn Stadt und Universität auf diese Art etwas auf die Beine stellen. Weitere Kinderkonzerte seien geplant.

Studenten präsentieren Oper in der Kirche

Das Studenten-Sinfonieorchester führte in der Pfarrkirche ein Werk mit Riesenbesetzung auf: Die "Messa di requiem" von Giuseppe Verdi (Foto: Dr. Justus Noll) vergrößern

Das Studenten-Sinfonieorchester führte in der Pfarrkirche ein Werk mit Riesenbesetzung auf: Die »Messa di requiem« von Giuseppe Verdi (Foto: Dr. Justus Noll)

Oberhessische Presse, 29.01.2009, www.op-marburg.de

 

Dramatischer Melodienreichtum zwischen Oper und Kirche: Das Studenten-Sinfonieorchester, zwei Berliner Chöre und vier Solisten musizierten Verdis Requiem.

 

von Dr. Justus Noll

 

Viele bekamen in der ausverkauften Lutherischen Pfarrkirche keinen Platz mehr.

Auf Hans von Bülow geht ein Vorurteil zurück, das auch im Programmheft des Studenten-Sinfonieorchesters zitiert wurde. Demnach sei Verdis »Messa di requiem« eine »Oper im Kirchengewand«. George Bernard Shaw fand sogar, sie sei Verdis größte Oper. Das hätte den alten Verdi sicher geärgert. »Ihr werdet besser als ich verstehen, dass diese Messe nicht wie eine Oper gesungen werden darf«, ermahnt ein Brief des Komponisten die Aufführenden der Uraufführung 1874, »folglich werden mich Färbungen, die im Theater gut sein können, ganz und gar nicht befriedigen. Das Gleiche gilt für die Akzente«

Die Solisten der Marburger Aufführung jedenfalls waren junge Opernsängerinnen und Sänger. Evelina Dobraceva gab bereits Donna Anna, Ariadne und Fiordiligi. Sie verfügt über eine schöne und brillante Sopranstimme. Die ausdrucksstarke Altistin Silke Richter sang Cherubino, Octavian und auch eine Paraderolle Verdis, die Azucena. Tenor Michael Zabanoff, Sänger und freiberuflicher Gesangspädagoge, hat reiche Konzerterfahrung, die seiner Verdi-Interpretation zugute kam und der durchsetzungsfähige Alban Lenzen brachte es als Bass bereits zum Wotan.

Insgesamt ein gut aufeinander abgestimmtes Quarett, das - Oper hin, Messe her - den unbestreitbaren Melodienreichtum Verdis beeindruckend dem Publikum vermittelte.

Also doch Oper? Verdi selbst ließ sein Werk bald nach der sakralen Uraufführung auch in der Oper aufführen. Es sollte nicht nur an den Dichter Manzoni, sondern auch an den Opernkomponisten Rossini erinnern. Man kann daher vielleicht das Urteil des bekannten Musikkritikers Karl-Heinz Ruppel anläßlich der Karajan-Einspielung der Messa von 1972 übernehmen. Nein, das Requiem ist keine theatralische Musik, aber eine hochdramatische. Das bewies das Studenten-Sinfonieorchester nach leichten Einspielproblemen der Streicher mit Reaktionsfähigkeit und großer Spielfreude, etwa bei der Entwicklung vom leisen Requiem-Kopfsatz zum aufgewühlten und aufwühlenden »Dies irae« des zweiten Teils.

Zur Aufführung von Verdis großartiger Chorpartie schlossen sich zwei Berliner Chöre zusammen. »Cantus Domus« unter der Leitung von Ralf Sochaczewsky gibt es seit dreizehn Jahren. Das »Ensemberlino Vocale« von Matthias Stoffels seit achtzehn Jahren. Beide sind auf weltliche und geistliche alte und moderne A-cappella-Literatur spezialisiert. Nicht nur das fugierte »Sanctus« erfüllten die Chöre mit vokaler Dramatik. Auch die Introvertiertheit gregorianischer Unisoni im »Agnus Dei«, zu dessen Beginn der Solo-Sopran nun doch in ein ziemlich starkes Opernvibrato verfiel, glückte.

Ovationen wollen nicht mehr enden: Publikum feiert Aufführung des Verdi-Requiems

Zusammen mit den vier Solisten (v.l.) Alban Lenzen, Michael Zabanoff, Silke Richter und Evelina Dobraceva interpretierten das Marburger SSO und die beiden Chöre "Cantus Domus" und "Ensemberlino Vocale" das Verdi-Requiem. (Foto: Lecher) vergrößern

Zusammen mit den vier Solisten (v.l.) Alban Lenzen, Michael Zabanoff, Silke Richter und Evelina Dobraceva interpretierten das Marburger SSO und die beiden Chöre »Cantus Domus« und »Ensemberlino Vocale« das Verdi-Requiem. (Foto: Lecher)

Marburger Neue Zeitung, 27.01.2009

 

Mit zehnminütigem begeistertem Applaus und stehenden Ovationen hat das Publikum am Sonntagabend die Aufführung des Requiems von Giuseppe Verdi gefeiert. Das Marburger Studenten-Sinfonieorchester (SSO) interpretierte zusammen mit den beiden Berliner Chören »Cantus Domus« und »Ensemberlino Vocale« und vier Gesangssolisten das große Werk in der Lutherischen Pfarrkirche St. Marien in Marburg.

 

Etwa 900 Zuhörer drängten sich in die Pfarrkirche, um der Aufführung zu lauschen. Einige Gäste musste das SSO sogar abweisen, weil nicht genügend Plätze vorhanden waren. Die Zuhörer, die in den Genuss des Werkes kamen, honorierten die großartige Leistung mit nicht enden wollendem Schlussapplaus.

Unter der Leitung von SSO-Dirigent Ulrich Manfred Metzger und Ralf Sochaczewsky, der die beiden Berliner Chöre leitet, entfalteten die jungen Ensemblemitglieder - sowohl im SSO wie auch in den Chören musizieren Studierende, Schüler und junge Berufstätige - das knapp zweistündige Werk auf hohem Niveau.

Neben dem großen Chor brillierten die vier Gesangssolisten. Sopranistin Evelina Dobraceva, Altistin Silke Richter, Tenor Michael Zabanoff und Bassist Alban Lenzen interpretierten harmonisch und kraftvoll die vielen solistischen Partien, die mit dem Chorklang den besonderen Reiz des Requiems ausmachen. Wunderbar entfalteten Sopranistin Dobraceva und Altistin Richter das »Agnus Dei« als Duett mit A-Capella-Chor, das deutlich mit dem vorherigen pompösen »Sanctus«-Chor kontrastierte.

Leise eröffneten Chor und Orchester mit dem »Requiem aeternam« Verdis Werk. Feinsinnig in der zurückhaltenden Dynamik steigerte sich das Requiem mit dem Einsatz der Solisten immer weiter. Bombastisch in Gesang und Orchester entfalteten die Musiker das »Dies irae« zu einem donnernden Klanggebilde. Immer wieder zug sich das »Dies irae« (»Tag des Zornes, Tag der Klage«) als Verkündung des jüngsten Gerichts wie ein roter Faden durch das Requiem.

Verdi weckt in seinem Requiem, das er als Hommage an den Komponsten Gioachino Rossini und den Dichter Manzoni komponierte, eine große Bandbreite tiefer Emotionen.

In wechselnd gefühlvoll zartem Pianissimo und kraftvollem Forte interpretierten die Sängerinnen und Sänger diese Gefühle. Und mit einem kräftigen Fortissimo mündete die Komposition in den hauchzarten Gänsehaut-erzeugenden Schluss.

Am Sonntag, 15. Februar, führen die jungen Musikerinnen und Musiker das Requiem in Berlin auf, um 19 Uhr im Konzerthaus am Gendarmenmarkt.

»Unter Donner und Blitz« ins neue Jahr

Das Studenten-Sinfonie-Orchester spielte mit großer Rhythmus-Gruppe. (Foto: Dr. Justus Noll) vergrößern

Das Studenten-Sinfonie-Orchester spielte mit großer Rhythmus-Gruppe. (Foto: Dr. Justus Noll)

Oberhessische Presse, 02.01.2009,www.op-marburg.de

 

Marburg. Dirigent Ulrich Manfred Metzger holte beim Neujahrskonzert in der Stadthalle das Letzte und Beste aus dem Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) heraus.

 

von Dr. Justus Noll

 

»Welche andere Möglichkeit haben wir während unserer unvollkommenen Existenz, das zu erreichen, was hinter den Sinnen liegt, als durch diese Sinne?«, fragte der englische Nationalkomponist Vaughan Williams (1872 – 1958) ein wenig umständlich. Sein Orchesterstück mit Solo-Geige »The Lark Ascending« spricht die Sinne direkt an. Nicht nur die musikalischen durch meisterhafte Instrumentation, sondern auch die Kräfte der Vorstellung im meditativen Musikbild des Sommers und einer Lerche, die als volkstümliche Melodie in den blauen Himmel steigt.

Am kalten Marburger Neujahrstag realisierte Mareike Scheeles Geigenspiel damit vielleicht einen Vorgeschmack auf den Sommer 2009 – diesmal mit vollem Orchester, nachdem das Benefiz-Kammerkonzert des Studenten-Sinfonie-Orchesters (SSO) am 18. Dezember schon eine Kostprobe der Fassung mit Klavierauszug gegeben hatte. Dort überzeugte auch bereits Akira-Sebastian Olbrich mit Faurés Cello-Elegie, deren Klangschwelgerei das Orchester geschmackvoll gestaltete.

Die Renner dieses »Proms-in-der-Stadthalle«-Konzertes aber waren Johann Strauß und Franz Léhar. Wie ein musikalisches Motto stand als Eröffnungsstück die Ouvertüre zum »Zigeunerbaron« an der Spitze – durchaus auch spitzenmäßig gespielt. Das SSO verfügte am Spätnachmittag des Neujahrstages über eine kräftige und gepflegte Streichergruppe, deren Celli und Kontrabässe ganze Arbeit leisteten bei Walzer-Rhythmen, die in die Beine gingen. Schade, dass wegen der Bestuhlung der Stadthalle an Tanzen nicht zu denken war! Das wurde bei den beiden Strauß-Opera 388, der Walzerfolge »Rosen aus dem Süden«, und besonders bei 324 »Unter Donner und Blitz«, einer Polka, besonders deutlich.

Zündender Auftakt

Das Studenten-Sinfonie-Orchester musizierte am Dienstag im Audimax. Foto: Rottmann vergrößern

Das Studenten-Sinfonie-Orchester musizierte am Dienstag im Audimax. Foto: Rottmann

Oberhessische Presse, 25.06.2008, www.op-marburg.de

 

Marburg. Genau das macht einen guten Dirigenten wie Ulrich Manfred Metzger aus: Er führt das Orchester an seine Leistungsgrenzen, ohne sie zu überschreiten.

 

von Helmut Rottmann

 

Die Musiker des Studenten-Sinfonie-Orchesters (SSO) hatten am Dienstag im Audimax vor 600 Besuchern Beethovens »Eroica« zu bewältigen.

Doch der Reihe nach: Mit Bellinis Ouvertüre der Oper »Norma« gelang dem SSO ein zündender Auftakt mit mächtigem Orchesterklang. Schon hier zeigten sich die Stärken der knapp 70 Instrumentalisten: Bezauberndes Musizieren des Holzbläserchors, druckvolles Spiel der Blechbläser, warmer Klang der Celli, Kontrabässe mit knackigen Tiefen und weich klingende Bratschen.

Die Violinen hatten in elegischen Passagen Schmelz, spielten aber bei Triolen und flirrenden Läufen unsauber. Der Orchesterklang war über weite Strecken transparent; nur die Bratschen ließen sich als von den anderen klanglich zudecken.

Sergej Bolkhovets begeisterte mit Nielsens Violinkonzert op. 33. Intervalle, Läufe, Doppelgriffe, Flageoletttöne – alles scheinbar kein technisches Problem für ihn. Beseelte Soli mit unwahrscheinlich zarten Details, Melodien voller Elegie und flötenähnliche Saitenklänge: Bolkhovets Körper schwang mit. Das SSO begleitete aufmerksam, munter und detailfreudig, aber nicht immer mit reiner Intonation. Die begeisterten Zuhörer feierten den Solisten und das Orchester.

Orchesterführer für junge Leute

SSO-Dirigent Ulrich Metzger. (Foto: Helmut Rottmann) vergrößern

SO-Dirigent Ulrich Metzger. (Foto: Helmut Rottmann)

Oberhessische Presse, 08.02.2008, www.op-marburg.de

 

Marburg. Am Sonntag in einer Woche, am 17. Februar, findet um 15 Uhr in der Stadthalle ein Konzert für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt, das um 17 Uhr wiederholt wird.

 

von Helmut Rottmann

 

Es erklingt Benjamin Brittens »The Young Person’s Guide to the Orchestra« – was übersetzt »Orchesterführer für junge Leute« bedeutet. Es will Kinder ab 5 bis 16 Jahre sowie Erwachsene mit dem Gesamtklang des Orchesters, den Orchestergruppen und den einzelnen Instrumenten bekannt machen.

Das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg (SSO) hat bisher vier Kinderkonzerte aufgeführt. Das letztjährige erstmals in Zusammenarbeit mit dem Marburger Konzertverein, bei dem Sergei Prokofjews »Peter und der Wolf« gespielt wurde.Der Konzertverein bot es außerhalb der Abonnementskonzerte als Sonderkonzert aus Anlass der 50. Spielzeit nach Wiederaufnahme der Konzerte des Marburger Konzertvereins nach dem Zweiten Weltkrieg an.

Für Ulrich Metzger ist das Besondere an diesem Werk, dass jedes Instrument sichtbar zur Geltung kommt, sodass es Kinder sehen und verstehen.

Studenten Sinfonie Orchester spielt in ausverkaufter Stadthalle: Solistin erhält frenetischen Beifall

Marburger Neue Zeitung, 03.01.2008

 

Mit seinem traditionellen Neujahrskonzert hat das Studenten Sinfonie Orchester (SSO) Marburg das Jahr 2008 eingeläutet. Als Gastsolistin glänzte die Sopranistin Tamara Weimerich in der Marburger Stadthalle.

 

von Sonja Lecher

 

Das Neujahrskonzert erwies sich wieder als ein Publikumsmagnet: Die jungen Musikerinnen und Musiker boten ihr spritziges Konzertprogramm vor restlos ausverkauftem Haus. Mit Hector Berlioz »Ungarischem Marsch« aus »Fausts Verdammung« eröffnete das Ensemble unter der Leitung von Ulrich Metzger den fast dreistündigen Konzertabend in der Stadthalle.

In Anlehnung an die Neujahrskonzerte der Wiener Philharmoniker folgte eine unterhaltsame und leichtfüßige Mischung von »Klassik-Hits« aus Operette, Filmmusical und natürlich Walzer. Dabei zeigten die Orchestermusiker eine große interpretatorische Vielfalt. Ob das kraftvolle und laute »In der Halle des Bergkönigs« aus Edvard Griegs Peer-Gynt-Suite, das konträr zarte und leise »Intermezzo« aus George Bizets Carmen-Suite oder der schwungvolle »Kaiserwalzer« von Johann Strauß - das Studenten Sinfonie Orchester spielte mit viel Selbstbewusstsein und Präsenz und brauchte den Vergleich mit professionellen Orchestern nicht zu scheuen.Den für das Konzert obligatorischen Radetzkymarsch gibt es als Zugabe Wie in jedem Jahr ergänzte ein Solist das Programm des Neujahrskonzerts: Für 2008 konnte das Orchester die junge Sopranistin Tamara Weimerich gewinnen. Sie ist Lehrbeauftragte am Eduard-von-Hallberger-Institut in Freudenstadt und Preisträgerin der Saarbrückener Casino-Gesellschaft. Nach vielfältigen Engagements in Frankfurt, Darmstadt und Gießen sang sie im Juni 2007 an der Frankfurter Oper als Solistin in Rimski-Korsakows »Mozart und Salieri«.

Als kokette und schöne Musette interpretierte Weimerich Giacomo Puccinis »Musette-Walzer« aus »La Bohème«. Voller Melancholie und Zartheit schlüpfte die Sopranistin in die Rolle der verliebten Meerjungfrau im »Lied an den Mond« aus »Rusalka« von Antonin Dvorák. Große Wandlungsfähigkeit zeigte sie ein weiteres Mal in ihrer heißblütigen Interpretation von »Meine Lippen, sie küssen so heißt« aus »Giuditta« von Franz Lehár, für die sie frenetischen Beifall erntete.

Als fulminanten Schlusspunkt des Konzerts präsentierte das Studenten Sinfonie Orchester George Gershwins »An American in Paris«. In der etwa 30-minütigen Filmmusik zogen die Musiker nochmals alle Register ihres Könnens.

Mit zwei Zugaben - dem »Torero« aus Bizets Oper »Carmen« und dem für ein Neujahrskonzert obligatorischen »Radetzkymarsch« - verabschiedeten sich die Musiker von ihrem begeisterten Publikum.

Bläser nutzen seltene Solo-Chance souverän

Oberhessische Presse, 12.07.2007,www.op-marburg.de

 

Marburg. Vor allem mit Brahms überzeugte das Studenten Sinfonie Orchesters Marburg am Dienstag zum Semesterabschluss im Audimax.

 

von Franziska Lüdtke

 

Werke von Nikolaj Rimskij-Korsakov und Johannes Brahms standen auf dem Programm des Semesterabschlusskonzerts, das das Studenten Sinfonie Orchester Marburg (SSO) am Dienstagabend im fast komplett gefüllten Audimax spielte.

Unter der Leitung seines Dirigenten Ulrich Metzger eröffnete das Orchester den Abend mit der sehr schönen, aber auch sehr anspruchsvollen Ouvertüre op.36 »Die großen russischen Ostern« von Rimskij-Korsakov. Das atmospärische Stück, in dem der Komponist die festliche Stimmung der russischen Osterfeier musikalisch beschrieb, bietet allen Instrumentengruppen, besonders aber den Holz- und Blechbläsern wunderschöne Soli.

Die Bläser nutzen die seltene Gelegenheit, in einem Orchesterstück hervorzutreten, souverän aus, auch wenn die Intonation manchmal etwas feiner hätte sein können. Leider waren die Streicher nicht immer ganz zusammen, was ihren Passagen stellenweise einen etwas verwaschenen Klang gab.

In Brahms Violinkonzert in D-Dur op.77 bestach der Solist Sergej Bolkhovets durch einen lyrisch-singenden Geigenton, makellose Virtuosität und große Ausdruckskraft. Das Orchester hatte sich jetzt offenbar eingespielt und kommunizierte nuanciert und präzise mit dem Solisten.

Besonders gelungen war das Oboensolo zu Beginn des zweiten Satzes (Solistin: Annette Himmelmann). Nach der Pause bewies das SSO mit der Sinfonie Nr.2 in D-Dur op.73 von Johannes Brahms, dass es in der Lage ist, Präzision, Ausdruckskraft und Spannung über ein langes und sehr bekanntes Stück zu halten

Die differenzierten Wechsel in Dynamik und Stimmung machten die Sinfonie Nr.2 zu einem wirklichen Hörgenuss, den das Publikum mit begeistertem und lang anhaltendem Applaus honorierte. Das Orchester bedankte sich mit Edward Elgars »Pomp and Circumstance« und einem Ausschnitt aus der »Carmen-Suite« von Georges Bizet als Zugabe.

Musikangebot von Bond bis Bizet

Oberhessische Presse, 09.07.2007, www.op-marburg.de

 

Marburg. Am Freitagabend stellte das Klassik-Open-Air im Marburger Schlosspark den musikalischen Auftakt zur zehnten Auflage des Stadtfestes »3 Tage Marburg« (3TM) dar.

 

von Su-Zi Schütz

 

Es enthielt ein buntes Programmangebot von Gesang, Folklore und Gitarrenklängen bis hin zu großer Orchestermusik Das Wetter spielte mit und bescherte dem Fest Sonnenschein, auch wenn es gegen Abend kühler wurde. Auf der Freilichtbühne im Schlosspark konnten sich die Besucher die junge Gesangsgruppe »Solo un Coro« anhören, die unter der Leitung des Tenors Werner Compes verschiedenste Opernarien sang, die alle etwas mit dem Thema Liebe zu tun hatten. Besonders schön anzuhören waren die Sopranarie »Lied an den Mond« aus Antonin Dvoraks erfolgreichster Oper »Rusalka« und die Arie »Toreador, en garde« aus der berühmten Bizet-Oper »Carmen«, die überaus ausdrucksstark vom Bariton Maurizio Virgens gesungen wurde. Werner Compes gab einen überzeugenden Zigeunerbaron aus der gleichnamigen Oper von Johann Strauß. Die vier Sängerinnen und Sänger trugen zudem Werke von Puccini, Smetana und Mozart vor.

Je später der Abend wurde, desto mehr Zuschauer kamen in den Schlosspark, um sich das klassische Angebot anzuhören. Auf der Montevideobühne traten junge Musiker der Musikschule Marburg, das Bläserquartett »The Jericho Bones« und der kalifornische Konzertgitarrist Paul Bowmann auf. Lehrer der Musikschule Klassika und der Pianist Jean Kleeb waren neben weiteren Künstlkern auf der Novartis-Behring-Bühne zu sehen und zu hören.

Höhepunkt des Abends war der Auftritt des Studenten-Sinfonie-Orchesters Marburg unter der Leitung des Dirigenten Ulrich Metzger, der erst seit dem Wintersemester 2006/07 im Dienst ist. Es wurden diverse klassische Werke, wie Mozarts »Kleine Nachtmusik«, aber auch ein Medley der bekanntesten James Bond-Melodien gespielt.

Das junge Orchester bot einen glanzvollen, pompösen Radetzkymarsch von Johann Strauß und meisterte prätzise Pizzicati bei Charles Gounods Ballettmusik aus der Oper »Faust«. Die Konzertmeisterin verzauberte das Publikum mit ihren Geigensolos bei der konzertanten Ouvertüre »Russische Ostern« von Nikolaí Rimski-Korsakow.

Die letzten Takte des stimmungsvollen »March No. 1« aus »Pomp and Circumstances« von Edward Elgar wurden von dem eindrucksvollen Höhenfeuerwerk des »Phönixx-Feuertheaters Kassel« begleitet. Das Publikum gab begeisterten Applaus für die Musiker und das bunte Feuerwerk. Zum Abschluss des feierlichen Abends spielte das Studenten-Sinfonie-Orchester »Happy Birthday« anlässlich des 10. Geburtstages von »3 Tage Marburg«.

Pianistin überzeugt mit abwechslungsreichem Spiel

Oberhessische Presse, 31.01.2007, www.op-marburg.de

 

Marburg. Von Dänemark über Norwegen nach Russland: Recht nordisch und vor allem romantisch war das Semester-Abschlusskonzert des Studenten-Sinfonie-Orchesters.

 

von Johannes Struck

 

Am Dienstagabend begeisterte das Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) der Philipps-Universität seine zahlreichen Zuhörer im ersten von zwei Konzerten, die zum Abschluss des Wintersemesters gegeben werden. Gleichzeitig war dieses Konzert auch der Einstand des neuen Dirigenten Ulrich Metzger, wenn man vom Neujahrskonzert absieht, bei dem er schon Gershwins Rhapsody in Blue dirigierte.

Den Auftakt am Dienstag machte die Konzertouverture zu »Hamlet« des dänischen Romantikers Niels Wilhelm Gade. Unisono ertönte zu Beginn ein getragener Marsch, der sich im Laufe des Stückes erst zu einem herben, verwegen klingenden Thema entwickelte, dem ein zweites, weitaus lyrischeres folgte. Das Ende wiederum greift das Anfangsmotiv des Marsches auf, diesmal jedoch so getragen, dass sich das energische Element des Anfangs zu einem Trauermarsch verwandelt. Geprägt war das Stück durch seine auffallende Transparenz, die vom Orchester gut erfüllt wurde.

Eindeutiger Höhepunkt des Abends war das zweite präsentierte Stück: Das Konzert für Klavier und Orchester a-moll von Edvard Grieg. Solistin am Flügel war Anne Salié. Die mehrfach preisgekrönte junge Pianistin begeisterte das Publikum schon ab dem Moment, als sie auf dem Flügel das berühmte Motiv anstimmte. Auffällig war ihr angenehm weicher Anschlag gerade am Anfang. Er machte das Stück leichter und verspielter. Allerdings demonstrierte sie auch, dass sie natürlich anders kann; mehrfach hob es sie beim Spielen vom Hocker, so engagierte sie sich im weiteren Verlauf des Stückes an diversen Marcato-Stellen, die im krassen Gegensatz zu Weichheit und Verspieltheit des Anfangs standen und manchmal wohl absichtlich durch spontanen Wechsel für zusätzliche Spannung sorgten. Für das Orchester gab es trotz der Brillanz der Solistin genug Gelegenheit, sich hervor zu tun, etwa im ersten Satz mit einem Cello-Solo, das hervorragend vorgetragen wurde, oder mit den Streicher-Einsätzen zu Beginn des zweiten und dritten Satzes.

Nach der Pause spielten die Musiker des Studenten-Sinfonie-Orchester die 5. Sinfonie von Peter Iljitsch Tchaikowsky. Den ersten Satz dominierte eine lange dunkle Einleitung, die zum düsteren Hauptmotiv weiterleiten. Auch der zweite Satz begann mit dunklen meditativen Atemzügen, doch hier unterbrach der Solohornist die Dunkelheit mit einem sehr sanglichen Thema; der erste Hornist trug dieses Stück sehr gekonnt vor. Nach dem dritten Satz endete das Stück in einem gewaltigen voluminösen Finale.

Das Publikum war vom Konzert begeistert: Starker Applaus und Trampeln veranlassten Ulrich Metzger und das SSO, die Filmmusik von »ET« als Zugabe zu spielen.

Am Samstag um 20 Uhr wird das Konzert im Audimax wiederholt.

Dirigent wird stürmisch gefeiert

Oberhessische Presse, 13.07.2006, www.op-marburg.de

 

Marburg. Vor etwa 400 Zuschauern trat das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg am schwülwarmen Dienstagabend im Audimax der Philipps-Universität auf. Es war das erste von zwei Semester-Abschlusskonzerten.

 

von Su-Zi Schütz

 

Das Programm bestand gänzlich aus Werken von Komponisten aus der romantischen Epoche. Den Anfang machte Richard Wagners (1813-1883) »Isoldens Liebestod« aus seiner Oper »Tristan und Isolde«. Dieses dramatische Stück stammt aus dem dritten Aufzug der Oper, in dem die unglückliche Isolde vor Trauer um ihren getöteten Tristan stirbt. Das SSO begann ruhig und entfaltete langsam die Dramatik des Werks. Das Orchester spielte auch in den hohen Lagen sehr sauber und besonders die Harfe stach mit ihren verträumten Klängen hervor.

Im Anschluss daran wurde das »Konzert für Violine und Orchester in a-Moll« des tschechischen Komponisten Antonin Dvorák (1841-1904) vorgetragen. Dvoráks Werke waren stark von seinem Vorbild Johannes Brahms beeinflusst. Das Orchester begann mit pompösen Tönen und war eine durchweg hervorragende Begleitung für die Solistin Stefanie Irgang, die mehrfach Landes- und Bundespreisträgerin des Wettbewerbs »Jugend musiziert« war und Violine an der Musikhochschule Frankfurt studierte.

Sie brauchte zwar ein paar Takte, um ihren etwas harten Ansatz zu lockern und warm zu werden, aber dann spielte sie routiniert und technisch präzise. Sie meisterte das Adagio mit einfühlsamen Vibratos. Die spritzige Spielfreude und der Elan des Orchesters sowie der Solistin übertrugen sich auch auf das Publikum. Es gab schon vor der Pause einen langanhaltenden Applaus, der mit einer Zugabe der Solistin belohnt wurde. Sie spielte den »Grashüpfertanz« von einem lettischen Komponisten.

In der zweiten Hälfte des Konzerts spielte das Orchester die »Sinfonie Nr. 4 in d-Moll« von Robert Schumann (1810-1856). Diese Sinfonie verfasste er eigentlich schon im Jahre 1841, schrieb sie aber zehn Jahre nach der Uraufführung nochmals um. Die Streicher brillierten mit präzisen Sechzehntelläufen und die Bläser überzeugten durch ihr sauberes Zusammenspiel. Das Orchester trug die Sinfonie unter der Leitung des Dirigenten Burchard Schäfer dynamisch und in wohlklingender Harmonie vor. Er gab an diesem Abend sein vorletztes Semesterabschlusskonzert und wird das Studenten-Sinfonie-Orchester nach dem zweiten Konzert am Samstag nach mehr als zwölf Jahren verlassen.

Zum Abschied hielt er eine kurze Dankesrede vor dem begeisterten Publikum, das zuvor mehrere Minuten lang applaudiert und das Orchester mit »Bravo«-Rufen belohnt hatte. Schäfer danke sowohl dem Orchester als auch dem Hausmeister des Audimax für die gute Zusammenarbeit. An das Publikum gewandt sagte er: »Das Marburger Publikum ist großartig, es verlangt immer nach Zugaben«. Schäfer wird im Oktober beim Jubiläumskonzert des SSO mit zwei Kollegen nochmals zum Taktstock greifen und das Orchester auch beim

Neujahrskonzert und letztmals im Februar leiten. Danach ist endgültig Schluss.

Als Zugabe wurde abschließend ein Medley einiger Werke des bekannten Komponisten Henry Mancini vorgetragen. Darunter befanden sich unter anderem das Thema aus »Pink Panther« wie auch das der »Blues Brothers«. Mit diesen fröhlich beschwingten Klängen endete der besondere musikalische Abend.

Am Samstag wiederholt das SSO das Konzert ab 20 Uhr im Marburger Audimax.

Griff nach den Sternen wird zur Sternstunde für Orchester

Das SSO Spielt Bruckner vergrößern

Das Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) begeisterte mit Bruckners 4. Sinfonie Es-Dur. (Foto: Stefan de Batselier)

Oberhessische Presse, 14.07.2005,www.op-marburg.de

 

Marburg. 650 Zuhörer erlebten am Dienstag im Audimax das Semesterabschlusskonzert des Studenten-Sinfonie-Orchesters Marburg (SSO).

 

von Uwe Henkhaus

 

Auf dem Programm stehen nur zwei Werke: Das Konzert für Fagott und Orchester B-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart und die 4. Sinfonie Es-Dur von Anton Bruckner. Mit der Wahl von Bruckners Werk habe sich das SSO sehr weit in den Weltraum hinausgewagt und nach den Sternen gegriffen, erklärt Dirigent Burchard Schäfer am Ende seinem Auditorium - ob es gelungen sei, könne man demnächst in der Zeitung lesen. Vorweg die Antwort: Es ist geglückt!

Mozarts Musik ist empfindlich. Sie will stets transparent interpretiert werden, verlangt rhythmische Spannung, manchmal überschäumende Virtuosität und große Schönheit der Tongebung. Das SSO präsentiert das Fagott-Konzert mit all diesen Eigenschaften, musiziert frisch und lebendig, bisweilen humorvoll und mit sichtbarer Spielfreude.

Schäfer, dessen Dirigat sich durch Präzision und Flexibilität auszeichnet, wählt die Tempi sehr geschmackvoll und kostet die liedhaften Phrasen voll aus. Elisabeth Göring am Fagott erweist sich als ausgezeichnete Wahl: Sie musiziert souverän mit bewundernswerter Klangdelikatesse. Begeisterter Applaus mit vereinzelten Bravo-Rufen sind ihr Lohn.

Die Sinfonien Bruckners stellen Orchester wie Dirigenten vor heikle Aufgaben. Auch für den Zuhörer sind die Werke alles andere als einfach. Von der Länge der Stücke mit ihren enorm in die Weite gezogenen Entwicklungen und den monumentalen Klanggesten geht nicht nur Irritation, sondern auch Faszination aus. Von der 4. Sinfonie existieren insgesamt vier Fassungen, von denen das auf rund 70 Personen angewachsene SSO die zweite von 1878 spielt.

Die Zuhörer spüren bei den ersten Tönen, dass Orchester und Dirigent das Stück mögen. Das einleitende Pianissimo-Streichertremolo ist von innerer Wärme erfüllt. Kleine nervöse Patzer im sonst sehr schönen Hörnerklang stören kaum.

Dann ist es mit der Beschaulichkeit erst einmal vorbei. Die Blechbläser legen sich mächtig ins Zeug. Das Audimax scheint unter der Wucht der Klangexplosion zu bersten. Die Musiker geben alles, schöpfen das ganze Dynamikspektrum aus. Auch physisch sieht man ihnen den Einsatz an. Schäfer muss sich mehrfach die beschlagene Brille wischen. Er wähöt die Tempi rasch, eine durchaus spannende Art, diese Sinfonie zu spielen. Das Orchester hält mit, manchmal sogar ausgesprochen tiefsinnig und innig. Im zweiten Satz ist Luftholen angesagt. Er ist wesentlich ruhiger. Dennoch passiert viel: dramatische Bratschen oder Celli zu gezupften Geigen oder einzig die Holzbläser zur dezenten Pauke. Im dritten Satz bläst das Horn zur »Hasenjagd«. Fulminant wieder die Blechbläser, die wie eine Gruppe galoppierender Pferde durch den Saal fegen. Einige vertrackte rhythmische Probleme harren dort allerdings noch ihrer Bewältigung.

Interessant und vielschichtig auch der vierte Satz mit der erneuten Intonation des Hauptthemas. Am Ende steht Schäfer in einem grandiosen Gewitter aus Akkorden wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung. Nach einigen Sekunden Stillebricht das Publikum in überwältigenden Applaus aus. Der Griff zu den Sternen zahlt sich aus, wird zu einer Sternstunde des Orchesters. Sehr passend gewährt es seinem begeisterten Auditorium die »Star-Trek«-Titelmelodie als Zugabe.

Orchester trifft begnadeten Solisten

Marburger Neue Zeitung, 12.02.2004

 

Marburg (dag). In der Pause war ein Thema unter den Konzertbesuchern gesprächsbeherrschend: die Virtuosität des jungen Solisten. Kurz zuvor hatte sich der erst 16-jährige Violinist Wolfgang Herrmann mit einer Darbietung der Extraklasse in die Herzen der Zuhörer gespielt und so für den Höhepunkt beim Konzertabend des Studenten-Sinfonie-Orchesters gesorgt. Aber auch die übrigen Stücke des gut zweistündigen Programms ließen sich durchaus hören.

 

Der Abend begann mit einer der schönsten Ouvertüren, die je einer Oper vorangestellt waren - der zu Mozarts »Zauberflöte«. Von den ersten erhabenen Akkorden, die an Fanfarenstöße erinnern, über einen leichten, schwungvollen Mittelteil bis zum pompösen Finale meisterten die jungen Musiker alle Tempi- und Ausdrucksformen mit Bravour. Dennoch: Dirigent Burchard Schäfer griff immer wieder ein, um das all zu schnell davon eilende Orchester zu mäßigen.

Es folgte das erste Violinkonzert Max Bruchs, bei dem Schäfer das Orchester ganz zurücknahm und so einen Klangteppich schuf, auf dem sich das Solospiel Herrmanns wundervoll entfalten konnte. Der junge Virtuose aus Köln legte sein ganzes Temperament in die verzwickten Läufe und Abstrichfolgen, auch zweistimmige Passagen, die immer wieder auftauchten, gelangen ihm nahezu fehlerlos. Bei soviel Schwung und technischer Präzision war es schon fast eine Pflicht, als Zugabe ein Stück des »Teufelgeigers« Niccolo Paganini darzubieten.

Nach der Pause stand wieder das Orchester im Mittelpunkt des Interesses: Sergej Rachmaninows erste Sinfonie, die lange als verschollen galt und erst 1944 wieder entdeckt wurde. Auch wenn das Werk an manchen Stellen etwas zerfahren wirkt, da es all zu vielen Instrumenten kurze Soli einräumen will, so überzeugte das Orchester doch durch seine vitale Darbietung. Sehr schön gelangen etwa die vielen Pizzicato-Passagen, die der manchmal etwas wuchtigen Komposition mehr Leichtigkeit verliehen. Besonders, wenn gezupfte Melodien der Geigen von den Celli oder Kontrabässen aufgenommen wurden, sorge das für eine Wahrnehmung des Orchesters als Ganzes. Der nicht enden wollende Beifall am Ende wurde mit Michal Kamens »Amerikanischer Symphonie« belohnt.

Musikalisches Sahnehäubchen - Hervorragendes Abschluss-Konzert des Studentensinfonieorchesters

Das SSO im Sommersemester 2003 vergrößern

Ein eindrucksvolles Semesterabschlusskonzert gaben die Musikerinnen und Musiker des Studentensinfonieorchestes vor 700 Zuschauern in Marburg. Szenenapplaus verdiente sich dabei auch Klaviersolist Tobias Storck. (Foto: Bauer)

Marburger Neue Zeitung, 17.07.2003

 

Marburg. Saint-Saens, Tschaikowsky und Williams - Werke dieser drei großartigen Komponisten bestimmten das Programm des Semesterabschlusskonzertes des Studenten Sinfonie Orchesters Marburg. Großartig war auch das Spiel der Musiker unter Leitung von Dirigent Burchard Schäfer. Gemeinsam mit dem Klaviersolisten Tobias Storck begeisterten sie etwa 700 Besucher im Audimax, dem größten Hörsaal der Phillips Universität.

 

von Carmen Bauer

 

Den Auftakt des Konzertes bildete Camille Saint-Saens »Bacchanale« aus der biblischen Oper »Samson et Dalila«. Bei der Bacchanale handelt es sich um eine von musikalischer Exotik strotzende Ballett-Einlage, die den Höhepunkt der Oper bildet. Besonders bemerkenswert bei diesem Stück ist der orientalische Einfluss, den die die Musiker des Orchester glänzend wiederzuspiegelten. Doch auch die Tempo-Wechsel gelangen hervorragend, das Werk wurde perfekt vorangetrieben und interpretiert. Dieser Meinung war vor allem das Publikum. Es zeigte sich begeistert und sparte nicht an Zwischenapplaus.

Doch auch das zweite Stück des Abends, Peter Iljitsch Tschaikowskis »Klavierkonzert Nr. 1«, erwies sich als voller Erfolg. Die häufigen und wenig vorhersehbaren Wechsel zwischen Orchester und Solist gelangen glänzend. Orchester und Klaviersolist Tobias Storck harmonierten perfekt. Letzterem gelang es, die Zuhörer absolut in seinen Bann zu ziehen. Ebenso gefühlvoll wie klanggewaltig beherrschte er sein Instrument und er wurde so erst nach zwei Zugaben von der Bühne entlassen und vom Publikum beinahe frenetisch gefeiert.

Den Abschluss des Konzerts bildete schließlich Ralph Vaughan Williams »Sinfonie Nr. 8«. Erstmalig spielte das Studenten Sinfonie Orchester ein Werk dieses Komponisten. Dieses vier Sätze umfassende Stück zeichnete sich insbesondere dadurch aus, dass es von einem umfangreichen Schlagwerkensemble, bestehend aus Vibraphon, Xylophon, Röhrenglocken, Glockenspiel, Pauken und gestimmten Gongs bestimmt wird. Deren Zusammenspiel erwies sich zwar als ungewöhnlich, war aber musikalisch excellent. Betont werden müssen auch der wunderbar herausgearbeitete Passionschoral »O sacred head«, der im dritten Satz durch die Streicher interpretiert wurde sowie das phänomenale Finale des Stückes, das dem Konzert freilich das letzte Sahnehäubchen aufsetzte.

Kanonendonner und eine »Orgie des Rhythmus«

Oberhessische Presse, 06.02.2003,www.op-marburg.de

 

Marburg. Am Dienstag gab das Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) vor 650 Zuhörern das erste von zwei Semesterabschlusskonzerten.

 

von Michael Arndt

 

Ein Gelegenheitswerk zu Beginn, dann eine hörenswerte Rarität und zum Abschluss ein Meisterwerk - dieses Programm überzeugte das Publikum in der Marburger Stadthalle. Die Interpretationen der drei Werke durch das SSO waren jedoch von unterschiedlicher Qualität.

Peter Tschaikowskys Festouvertüre »1812«, die dem in diesem Jahr errungenen Sieg Russlands über den Angreifer Napoleon ein klingendes Denkmal setzt, war erst im lärmenden Finale effektvoll.

Davor wurden die Noten zu sehr buchstabiert, wählte der Dirigent Burchard Schäfer ein zu behäbiges Tempo. Vielleicht hätte dieses Werk intensiver geprobt werden müssen. Diesen Eindruck erweckte anfangs auch, was das Zusammenspiel des Orchesters anging, das a-Moll-Violoncellokonzert von Hans Pfitzner.

Die erst 1977, also 99 Jahre nach ihrer Komposition uraufgeführte Studentenarbeit des Spätromantikers bietet dem Solisten alles, was das Virtuosenherz begehrt. Alexander Scheirle erwies sich als Meister seines Instruments. Er bewältigte mühelos die vertrackten Doppelgriffe, durchmaß in Atem beraubendem Tempo das schwierige Skalenwerk, ließ aber auch den melodischen Reichtum schwelgerisch aufblühen.

Den enthusiastischen Beifall beantwortete der Solocellist der Bayerischen Kammerphilharmonie München mit dem zweiten Satz aus dem Zyklus »Das Buch« für Violoncello solo des 1946 geborenen lettischen Komponisten Peteris Vasks. Dem Publikum stockte der Atem ob der Vielfalt an Klängen, die Scheirle fast durchweg im Pianissimo dem Cello entlockte; zweimal verschmolz er sogar die durch Flageolett-Spiel erzeugten Obertöne mit seiner eigenen (Fistel-)Stimme.

Höhepunkt des Abends war die Wiedergabe von Ludwig van Beethovens siebter Sinfonie. Sie war deutlich hörbar am intensivsten geprobt worden. Auch dieses Werk bejubelt eine Niederlage Napoleons - uraufgeführt wurde die A-Dur-Sinfonie sechs Wochen nach der Leipziger Völkerschlacht, die Bonapartes Untergang einleitete.

Aber anders als Tschaikowsky in seiner »1812«-Ouvertüre, die den Sieg mit Kanonendonner, Glockengeläut und Zarenhymne feiert, entfesselt Beethoven eine »Orgie des Rhythmus«, meint der Musikschriftsteller Romain Rolland. Und Richard Wagner hat diese Sinfonie als »Apotheose des Tanzes« bezeichnet. Beiden Aspekten wurde das SSO unter Schäfers vital vorwärts drängender Leitung hinreißend gerecht.

Der Beifall der 650 Zuhörer verlangte nach einer Zugabe. Dafür hatte sich das SSO wieder etwas Besonderes einfallen lassen: Der Evergreen »Salome« wurde nicht nur musiziert, sondern auch gesungen und szenisch dargestellt - mit »Scheich« Schäfer am Pult.

Temporeiches Spiel des Studenten-Orchesters

Mitglieder des SSO vergrößern

Marburger Neue Zeitung, 06.02.2003

 

Marburg. Exzellenten Konzertgenuss boten die Musiker des Studenten-Sinfonie-Orchesters unter dem Dirigat von Burchard Schäfer am Dienstag Abend in Marburg. In der nahezu ausverkauften Stadthalle bot das Ensemble Werke von Tschaikowsky, Pfitzner und Beethoven.

 

von Carmen Bauer

 

Laut und temporeich gingen die Musiker direkt zum Konzetrauftakt mit der »Ouverture solonnelle 1812« von Peter Iljitsch Tschaikowsky quasi »in die Vollen«. Thema dieses Stückes ist Napoleons Niederlage während seines Russlandfeldzugs 1812. Bereits beim Eingangschoral der Celli bewiesen die Musiker gefühlvoll ihr Können. Nach und nach kamen bei sich weiter steigerndem Tempo die anderen Streicher, die Schlaginstrumente und die Bläser hinzu, und das in harmonischem Zusammenspiel.

Für das zweite Stück, Hans Pfitzners »Konzert für Violoncello« hatte sich das Orchester dann Verstärkung durch Alexander Scheirle geholt. Der Solist spielte fingerfertig sein Violoncello und wurde vom Publikum vehement um eine Zugabe gebeten. Er entlockte seinem Instrument Töne, die der ein oder andere im Saal zuvor sicher noch nicht von einem Violoncello gehört hatte.

Doch auch die Begleitung durch das Orchester ließ keine Wünsche offen. Insbesondere die Posaunisten trumpften auf.

Zum Abschluss des Konzertes ließen die Musiker mit Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 7 endgültig den Funken überspringen und übertrugen Freude und Übermut der Musik auf das Publikum.Das zeigte sich restlos begeistert vom Spiel des Studenten-Sinfonie-Orchesters und sparte nicht an tosendem Applaus.

Gelernte Kriminal-Beamtin singt von Leid und Lust

Oberhessische Presse, 03.01.2003,www.op-marburg.de

 

Marburg. In der Stadthalle herrscht am Nachmittag des ersten Januar traditionell Andrang: Wenn das Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) einlädt, kommen immer etwa 1 000 Zuhörer.

 

von Katrin Schroth

 

Auch in diesem Jahr war in der Stadthalle jeder Platz besetzt, als das Orchester mit Werken von Tschaikowsky, Robert Stolz und Johann Strauß das Jahr 2003 begrüßte. Ganz im Zeichen von William Shakespeares »Romeo und Julia« stand die erste Konzerthälfte. Das Orchester, das bei diesem Konzert vom gebürtigen Mainzer Alexander J. Süß geleitet wurde, präsentierte drei musikalische Adaptionen der englischen Liebesgeschichte. Den mitreißenden Auftakt stellte die »Ouvertüre zu Romeo und Julia« von Vincenzo Bellini (1801-1835) dar. Ein großer Kontrast hierzu bot sich bei »Montagues et Capulets« aus der Suite »Romeo und Julia« von Sergej Prokofieff (1891-1953): Gleich zu Beginn wiesen dissonante Klänge auf den tragischen Charakter des Werks hin. Ein wieder anderes Klangbild bekamen die Konzertbesucher bei der »Fantasie-Ouvertüre zu Romeo und Julia« von Peter I. Tschaikowsky (1840-1893) zu hören: Eine romantische Klangfülle, unterstützt durch Arpeggien der Harfen und verstärkt durch die weiten Spannungsbögen, die die Streicher zogen, tat sich auf.

Der Beginn der zweiten Konzerthälfte stand in Bezug zur ersten, denn nun war Felix Mendelssohn Bartholdys »Hochzeitsmarsch« zum ebenfalls von Shakespeare stammenden »Sommernachtstraum« zu hören. Nach dem getragenen, von Trommelwirbeln begleiteten Marsch folgte eine bunte Mischung verschiedener Stilrichtungen. Den Dialog zwischen Harfe und Geige arbeiteten die Musiker bei »Méditation du Thais« von Jules Massenet (1842-1912) akkurat heraus. Als Solistin war hierbei die Konzertmeisterin des SSO, Katrin Hasse, mit vibratoreichem Spiel zu hören. Bei »Danza delle ore« des Italieners Amilcare Ponchielli (1834-1886) zeigte das Orchester, das sich mit dem Programm insgesamt eine anspruchvolle Aufgabe gestellt hatte, sein Können bei zarten Klängen. Bei Tschaikowskys »Blumenwalzer« gab es besonderen Applaus für Horn und Klarinette, die das eingängige Thema klangschön gestalteten.

Stimmliche Unterstützung bekam das SSO bei »Spiel auf deiner Geige das Lied von Leid und Lust« aus der Stolz-Operette »Venus in Seide«. Die Mezzosopranistin Silvia Späth, die eigentlich gelernte Kriminalbeamtin ist, schmückte das Werk besonders in den hohen Lagen stimmgewaltig aus. Fehlen durfte natürlich nicht der Walzer »An der schönen blauen Donau« von Johann Strauß, den der junge und agile Orchesterleiter schwungvoll und in raschem Tempo dirigierte. Ein orientalischer Foxtrott mit dem Titel »Salome« von Robert Stolz beschloss den offiziellen Programmteil. Hier sangen die Musiker die Titelzeile des Liedes mit.

Als Zugaben folgten ein weiterer Strauß-Walzer und - selbstverständlich - der »Radetzky-Marsch« von Johann Strauss (Vater). Und damit das Publikum auch an den richtigen Stellen klatschte, gab Dirigent Süß eine humorvolle Einführung. Erst nachdem das Orchester noch einmal »Salome« gespielt hatte, ebbte der tosende Applaus langsam ab.

Anton Bruckner trifft sich mit Johann Strauß und Artie Shaw - Studenten-Sinfonie-Orchester beweist, dass klassische Musik Spaß macht

Burchard Schäfer dirigiert vergrößern

Burchard Schäfer dirigiert das Studenten-Sinfonie-Orchester im Marburger Audimax. (Foto: Rainer Waldinger)

Oberhessische Presse, 04.07.2002, www.op-marburg.de

 

Marburg. Ins Defilee der Gratulanten zum Uni-Jubiläum reihte sich am Dienstagabend auch das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg ein.

 

von Michael Arndt

 

Klassische Musik muss mit großer Ernsthaftigkeit wiedergegeben werden. Sie sollte dem Publikum aber auch ein ebenso großes Vergnügen bereiten. Dies gelang am Dienstagabend schon allein durch die unkonventionelle Programmgestaltung. Den Anfang machte Gabriel Faurés viersätzige Orchestersuite aus der Bühnenmusik zu Maurice Maeterlincks »Pelléas et Mélisande«. Mit kammermusikalischem Feinschliff spielte das Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) diese weich dahin strömende, distanziert wehmutsvolle Musik - mit klangschönen Soli der Holzbläser, Hörner und Harfe.

In schärfstem Kontrast dazu stand das einsätzige Klarinettenkonzert von Artie Shaw, dem »neben Benny Goodman brillantesten weißen Klarinettisten der Swing-Ära«, wie der Solist des Abends, Matthias Schäfer, im Programmheft schreibt. Seien und des Orchesters virtuos-effektvolle Wiedergabe dieser Melange aus Jazz, Swing, Klezmer, Filmmusik und großer Sinfonik riss die 850 Zuhörer zu Begeisterungsstürmen hin, so dass sich Matthias Schäfer und sein Cousin, der Dirigent Burchard Schäfer, am Klavier mit zwei humoristischen Zugaben bedankten: »Immer kleiner« von Adolf Schreiner verlangt vom Klarinettisten das Zerlegen des Instrumentes in seine Einzelteile. Und der Clarinet Express von A.J. Dervaus gibt einen Tempowettstreit mit dem Klavier wieder.

Nach der Pause stellte sich das SSO erstmals der großen Herausforderung, die Anton Bruckner an jedes Orchester stellt. Ein Wagnis war es, dessen 6. Sinfonie A-Dur aufs Programm zu setzen, deren Klippen die jungen Musiker aber ohne größere Blessuren überwanden. Während der einen Stunde Spieldauer beeindruckten besonders die machtvollen Blechbläser, die samtweichen Hörner, aber auch die ausdrucksvoll-sonor musizierenden tiefen Streicher.

Dass Bruckner auch schmunzeln lassen kann, demonstrierte das SSO mit der zweiten Zugabe: Das Hauptthema aus der sechsten Sinfonie bildete den Auftakt eines Medleys, in dem noch der »Frühlingsstimmenwalzer« von Johann Strauß und Themen aus Shaws Klarinettenkonzert erklangen, wobei Matthias Schäfer bei seinem Auftritt Giora Feidmann nachahmte. Mit der ersten Zugabe hatte das SSO der Universität zum Jubiläum gratuliert. Sie sei ja schon steinalt, als sie gegründet wurde, habe es noch Dinosaurier gegeben, sprach der Dirigent - und gab den Einsatz zur Filmmusik aus »Jurassic Park«.

Es ist an dieser Stelle schon oft geschrieben worden, kann aber gar nicht oft genug wiederholt werden: Das Studenten-Sinfonie-Orchester (SSO) ist ein Pfund, mit dem die Philipps-Universität wuchern kann. Denn das SSO zeigt schon seit Jahren eine musikalische Qualität am Rande der Professionalität, obwohl für die meisten seiner Mitglieder die Musik nicht Beruf, sondern Hobby ist.

Außerdem wird das von Uni-Präsident Professor Horst Franz Kern bschworene Wir-Gefühl der Alma mater philippina im SSO beispielhaft verwirklicht, musizieren dort doch in idealer Partnerschaft 75 Studierende aus 23 verschiedenen Fachrichtungen, vom Erstsemester bis zum Doktoranden - nicht zu vergessen die Ehemaligen, die dem Orchester die Treue halten, und die unverzichtbaren Verstärkungen von außerhalb der Uni. Zu ihnen zählt seit neun Jahren der Dirigent Burchard Schäfer, Musiklehrer am Gymnasium Philippinum und hervorragender Orchestererzieher, wie im Audimax zu hören war.

Mächtig braust die Orgel, bevor die Sinfoniker singen

Sebastian Stricker

Der Posaunist Sebastian Stricker war einer der Solisten, die unter der Leitung von Burchard Schäfer mit dem Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg musizierten. (Foto: Rainer Waldinger)

Oberhessische Presse, 31.01.2002,www.op-marburg.de

 

Marburg. Das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg, dass am Dienstag in der Lutherischen Pfarrkirche Marburg musizierte, ist immer für Überraschungen gut.

 

von Michael Arndt

 

Nicht der Aufführungsort war die Überraschung des Abends. In der Lutherischen Pfarrkirche Marburg hatte das Studenten-Sinfonie-Orchester Marburg (SSO) schon einmal, vor drei Jahren, ein (Winter-) Semester musikalisch verabschiedet.

Auch dass der Dirigent Burchard Schäfer sich einen Vollbart hat wachsen lassen, nahm man eher amüsiert denn überrascht zur Kenntnis. Zumal seine und des Orchesters Interpretationen glücklicherweise keinen Bart hatten.

Nein, die Überraschung des Abends war die Zugabe, in der sich die studentischen Sinfoniker als Chor präsentierten. Der von Ihnen stimmschön, anrührend und differenziert gesungene »Abendsegen« aus Engelbert Humperdincks »Hänsel und Gretel« korrespondierte ideal mit dem weichen Hörnerklang der Ouvertüre zu dieser Märchenoper, die zu Beginn des Konzerts erklungen war.

Nach diesem farbenfroh musizierten sinfonischen Prolog zu einer der populärsten Deutschen Opern begab sich das SSO auf eine Reise zu französischen Orgelmeistern der Spätromantik, die auch für Orchester komponiert haben. In Alexandre Guilmants »Morceau Symphonique« opus 88 erhielt ein Mitglied des SSO Gelegenheit zu solistischem Auftritt.

Seit 1998 spielt Sebastian Stricker, 1982 in Frankenberg geboren, Posaune im SSO; ein Jahr vorher ist er ins Christenberg Blechbläser-Ensemble eingetreten; und seit Juni 2000 studiert er in einer Vorklasse an der Freiburger Musikhochschule.

In Guilmants »sinfonischem Stück« widmete sich Stricker den lyrischen Passagen mit ausdrucksvoller Gesanglichkeit. Aber auch als Virtuose war er gefordert, besonders im Finalsatz, den er mit kraftvoller, dabei geschmeidiger Virtuosität meisterte.

Für den Applaus der 800 Zuhörer und seiner Orchesterkollegen bedankte er sich mit einem Solo.

Das Opus magnum von Camille Saint-Saëns ist seine dritte Sinfonie c-moll opus 78, die so genannte »Orgelsinfonie«. Während sie jeder Freund sinfonischer Musik auf CD oder Schallplatte sein Eigen nennt. ist sie live nur selten zu hören. Denn nur wenige Konzertsäle, selbst in großen Städten, verfügen über eine Orgel. Und nur wenige Kirchen besitzen sie akustischen Voraussetzungen für den Auftritt eines großen Sinfonieorchesters.

In Marburg ist dies in der Lutherischen Pfarrkirche der Fall, wo die grandiose »Orgelsinfonie« zuletzt fast auf den Tag genau vor acht Jahren während eines Gastspiels des Kasseler Sinfonieorchesters erklungen war.

Die Wiedergabe des SSO am Dienstagabend ließ keinen Wunsch offen. Fesselnd ließ Schäfer die dramatischen Kontraste des Kopfsatzes musizieren. Voller Intensität erklang der breit stömende Streichergesang mit dem anschließenden Bläserecho im zweiten Satz, grundiert vom feierlich-dunklen Klang der Orgel, die Simon Buser spielte. Der 36-jährige Baseler Organist ist seit 1999 Mitarbeiter der Marburger Orgelbauwerkstatt von Gerald Woehl.

Das brillant instrumentierte geistvolle Spiel im folgenden Scherzo war bei den Musikern des SSO genauso gut aufgehoben wie der hymnische Finalsatz mit seinem ohrwurmartigen Choralthema.

Buser ließ dort die Orgel mächtig brausen, ohne mit dem Orchester in einen Lautstärkewettstreit zu treten. Seine Qualitäten als Konzertorganist durfte er auch solistisch unter Beweis stellen: Seine Zugabe, die erste Fantasie von Saint-Saëns bildete den Übergang zum Chorgesang des SSO.

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